Lyrik: "Dollars fallen als Asche vom Himmel"
Wahre Worte? NEU!
Worte, die streicheln.
Worte, die betören.
Worte, die uns lenken.
Worte, die verwirren.
Worte, die verzerren.
Worte, die verletzen.
Worte wie Nebel.
Worte wie Parfüm.
Worte wie Giftgas.
Worte, die die Welt
In Brand setzen.
Sprecht endlich wahre Worte
oder schweigt
!
(Februar 2007)
Finstere Zeiten Der Mief der Vorzeit ätzt die Farbe von den Wänden der Häuser, das Fleisch von den Knochen der Menschen. Nebelkälte. Am Horizont glühen Laternen wie Irrlichter. Fackeln, Brandreden, Blutegel im Kaffee, haarlose Ratten, zahnlose Gesichter. Totenfeier für einen Mann mit wachen Augen. Der Strick um seinen Hals ist aus chinesischer Seide. (Januar 2005)
SeelentodVampirzähne ritzen Nadelstreifenwunden in Jünglingshaut am Montag. Von Blutsaugerfratzen die im Mittagslicht grinsen gibt's Zuckerworte. Wo Spiegelbilder verblassen fallen Dollars als Asche vom Himmel. (September 2006)
Keine Freiheit
Wir sind nicht frei. Früher lebten wir auf einer Raumstation. Die Wände waren grau und erdrückend. Sehnsuchtsvoll schauten wir hinaus zu den glitzernden Sternen ... Doch die Luftschleusen waren versiegelt. Irgendwann lernten wir Shuttles zu bauen, Bomben und Schneidbrenner. Wir flohen in Massen. Die Station hinter uns implodierte. Freiheit! Endlich! Reisen zwischen den Sternen ... Eine Bestie hat uns gefressen. Die Wand ihres Magens ist aus weichem Gelee, unsichtbar für schwache Augen. Sie verformt sich gefällig wenn man dagegen tritt, und zieht sich danach noch enger zusammen. Viele von uns wurden verdaut und als Gerippe ausgeschieden. Irgendwann wird die Bestie sterben. Wir müssen neue Raumschiffe bauen, eine Welt besiedeln, und ein Leben führen wie wir es uns wünschen. Erst dann sind wir frei. (Januar 2005)
Der Krater Hinter sauberen Parks und Palästen aus Beton klafft ein Krater bis zum Horizont. Ich möchte nicht glauben dass die Zukunft ein Loch ist, möchte es zuschütten mit einer Handvoll Erde. Um mich herum sehe ich Menschen mit Spaten und Schaufeln, hoffe, dass irgendwann mehr Leute kommen mit Baggern und Kränen, damit wir Brücken bauen können und Treppen. Doch unsere Nachbarn gaffen nur oder eilen vorbei. Die Mächtigen denen die Parks gehören und die Paläste drohen uns aus tödlicher Höhe ins Loch zu schmeißen wenn wir nicht ihre Paläste putzen für ein paar Äpfel von den Bäumen im Park. Eines Tages stürzen sie selbst hinein. (Dezember 2004, 2006 überarbeitet)
© alle Gedichte: Adriana Wipperling
<< zurück nach oben >> |