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Texte


Lyrik: "Wagt euch an Land, ihr Fische!"

Schutzengel    NEU!

Die Wahrheit lauert
hinter Panzerglas,
ihre Krallen werfen Schatten
wenn die Sonne
tief steht.

Deine Zunge ist
der Hammer
des Trolls.

Und lass nicht zu,
dass die Piranhas
ans Ufer springen
weil die Flüsse
rückwärts fließen!

Fang die Sterne
die der Sturm
vom Himmel fegt
mit deinen bloßen Händen
und vergrabe sie
unter dem sterbenden Flieder.

(Februar 2007)



Seerosen

Seerosen blühen
verborgen
unter dem
grauen Kopfsteinpflaster.

Lasst uns
die Straße
entzwei reißen!

(Februar 2005)



Fische an Land

Wagt euch an Land,
ihr Fische!

Wollt ihr immer nur
in trübem Wasser schwimmen,
gefangen im Tümpel
der Eintönigkeit?

Es stimmt,
man kann nicht leben,
hinter dem Spiegel:
Wir würden
ersticken,
verfaulen,
gefressen werden.

Es sei denn
wir lernen
zu atmen,
zu laufen,
zu fliegen.

Lasst unsere Flossen
im Wind flattern
und unsere Schuppen
in der Sonne glänzen!

Eines Tages
kehren wir heim
und erzählen
von der Welt
hinterm Spiegel:
Dort gibt es Menschen,
die singen Lieder
von tollkühnen,
schillernden
Fischen
am Himmel.

Also wagt euch an Land
ihr Fische!

(Februar 2005)



Apokalypse

Kalt war der Wind
Auf der Reichstagskuppel.
Eisregen,
gnadenlos,
klar.

Lodernder Himmel
über der grauen Festung
am Fluss.

Adler
mit brennenden Schwingen
streifen
verblüffte Gesichter.

Eine Zeit
wird begraben
unter Schlamm
und Asche
und Wasser.

Licht erlischt.
Beton besteht.

(November 2005)



Nach der Apokalypse

Schwarz war das Glas
auf der Reichstagskuppel.

Strahlende Sonne
hinter glühenden Wolken.
Brennende Köpfe
hinter steinernen Mauern
gefärbt von Asche.

Vogelskelette
ziehen gen Westen
für immer.

Lachende Kinder
werfen Dreck
nach der Festung
am Fluss.

(November 2005)



ein traum

ich gehe
einen schmalen
weg entlang

der wald
nimmt mich auf
die bäume
alle gleich
riesig
kahl

an einem baumstamm
eine steckdose
von der ein kabel
in einen fuchsbau
führt

(1993)



© alle Gedichte: Adriana Wipperling


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