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Texte


Lyrik: "Vormittags lerne ich das Laufen neu"

einfach faul     NEU!

heute
liege ich
als satter kringel
in der talmulde
schlürfe
die sonne
schmelze
über den rand
krieche
mit den blindschleichen
zwischen mohnblumen
und geröll
das abendrot versickert
es brodelt
in den blütenkelchen
als magma
morgen
morgen

(März 2007)



Trügerischer Sommer     NEU!

Ich sehe
den strahlenden
Regenbogen
und fühle den Regen nicht.
Klatschnass
ist mein geliehenes Brautkleid.
Rotwein
in den Adern,
kein Blut mehr, kein Schmerz,
nur rauschendes Gift.

Wir lieben uns
auf deiner gläsernen
Dachterasse,
hoch über
dem Dreck
und den Gartenzwergen.
Hübsch ist der Teppich!
Geranien und Elfen,
Blütenmuster,
das die Risse
im Boden
verdeckt
und die faulenden Balken.

Nein,
das hässlichen Knirschen
habe ich nicht gehört!
Dreh die Musik auf!
Ich will tanzen,
Geliebter!

(März 2007)



Wieder ein Tag    NEU!

Morgens
schwebe ich
zwischen Sonne und Erde
und sinke
wie eine Feder
zu Boden.

Vormittags
lerne ich
das Laufen neu.

Mittags
schlage ich
meine Zähne
in die Bretter
vor den Köpfen.

Nachmittags
schleppe ich
die Vorräte
in den Bau.

Abends
schreite ich
durch das Gartentor
in parallele Welten.

(Mai 2007)



Outside

An manchen Tagen
sehe ich
die Zeit
aus morschen
Dachbalken rieseln.

Sumpfgas mieft
unter wurmstichigen
Dielenbrettern.

Ich kann nicht
bleiben.

Reiße
die Tür auf.

Eiskalter Wind
bläst mir entgegen.

Ich habe mir
noch keinen
warmen Pullover
gestrickt.

(April 2007)

 

Im Ungewissen

Du,
sag mir,
wann die letzte Bahn fährt,
wann ich Abschied nehmen muss,
vom Spielplatz
meiner Kindertage?

Wer lächelt mir zu,
wenn ich aussteige
an einem Ort
ohne Namen?
Oder werd’ ich allein sein
ohne Kompass
im Nebel?

Woher soll ich wissen
wo sich der Kreis schließt
in einem Dickicht
fahler Mauern?

(Juni 2007)



© alle Gedichte: Adriana Wipperling


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