Anneliese Wipperling: "Krieg im Blut "

Krieg im Blut

Ein moderner heylanischer Historiker und ein Krieger aus der Zeit kurz vor dem großen Umbruch erzählen von Dunkelheit, Gefahr und Konflikt. Es bestätigt sich, was wir schon immer geahnt haben: Damals war alles viel grausamer, als es sich ein zivilisiertes Lebewesen jemals vorstellen könnte ...

Überall auf Heyla toben Kriege, mächtige Lokalfürsten kämpfen erbittert um Macht, Land und Ressourcen. Luft, Wasser und Nahrung sind durch schmutzige Waffen völlig verseucht. Der Untergang der gesamten Spezies scheint unmittelbar bevorzustehen.

Das mental überdurchschnittlich begabte Volk der Turuska wird erbarmungslos gejagt - und wehrt sich ebenso erbarmungslos. Seine Krieger kommen nur noch zum Schlafen und Lieben heim in die Zeltdörfer. Kranke, Alte und Kinder brechen unter der schweren Feldarbeit fast zusammen. Es bleibt keinerlei Raum für Persönliches. Manche fragen sich schon, ob der Tod nicht besser wäre, als diese ewige, freudlose Schinderei ...

Aber die Wahrträumer haben einen Erlöser versprochen. Was wird der Umbruch bringen: Den lang ersehnten Frieden oder nur eine andere Art von Terror?



Auszug aus: "Sehnsucht nach Frieden - Erinnerungen eines Ah'Maral"

Der Fötus schwankte zwischen Angst und Euphorie, während der machtvolle, harte Speer eines Mannes bedrohlich näher kam, wild an die Pforte seines Unterschlupfs klopfte, während das Feuer der Krieger das Blut seiner Mutter in Aufruhr versetzte ... seine zarten Wurzeln versengte, bis Kah´Liskas Glückshormone seinen unfertigen Geist in wallende, grüne Nebel hüllten. Irgendwann stieg er mit ihr singend in einen unbegreiflichen Himmel auf ... ein schwarzes, mit funkelnden Punkten übersätes Gewölbe ... eine immense, schauerliche Höhle ... und fiel kurz danach machtlos wimmernd in ein finsteres Grab. Jedes Mal glaubte er zu sterben. Da draußen war das Reich des Feuers, der wilden Zuckungen, der dröhnenden Trommeln, des singenden Blutes und der beißenden Sehnsucht. Der Fötus fürchtete sich davor und verkeilte sich mit wilder Entschlossenheit in der warmen Geborgenheit.
„Mein kleiner Sohn“, dachte die Frau jedes Mal frustriert. „Ich verstehe ja, dass es dir vor der Welt da draußen graut. Das passiert mir auch immer wieder ... dass ich mitten im wildesten Gemetzel innehalte und mich frage, ob das alles überhaupt Sinn macht ... dieser leidenschaftlich entschlossene Kampf um ein Leben, das sich für niemanden lohnt ... nicht für uns Krieger, nicht für die Alten und Kranken bei den Zelten ... nicht einmal für die Kinder. Ich denke sehnsüchtig an den Abgrund ohne Wiederkehr ... wie es wäre, wenn das ganze Volk der Turuska gleichzeitig ... wenn wir alle fallen und uns auflösen ... ein letzter Schrei und niemand könnte uns mehr fassen. Ich stelle mir mit hämischem Grinsen vor, wie die Sklaventreiber selber arbeiten ... wie ihnen der Schweiß herunterläuft, weil sie es nicht gewöhnt sind ... wie sie sich schlaflos in ihren Betten wälzen, weil ihre verweichlichten Muskeln schmerzen. Und dann verstoße ich den Gedanken an den Tod, weil ich gebraucht werde ... sehe dem Gegner in die Augen und verbrenne mit dem Laser sein Herz zu Asche. Nein, mein Kleiner, irgendwann musst du hinaus ans Licht und dich diesem elenden Leben stellen. Ich will, dass du deine Pflicht tust und die Münder der Feinde mit Sand füllst.“
Das Kind stemmte seine winzigen Fäuste und Füße fester gegen die Höhlenwand. Sein mentaler Schrei brauste wie ein Sandsturm durch das Umah der Mutter. Sie schüttelte energisch den Kopf, nahm ihre Waffen und schritt langsam hinaus in die Wüste. Ihr dunkles, weiches Gesicht verhärtete sich, in den hellgrauen Augen glomm ein kaltes Feuer. Wehe dem Feind, der ihr jetzt in die Quere kam! Kah´Liska fieberte danach, jemandem die Rechnung für das Unglück ihres Volkes zu präsentieren. Ihr Bakh´Hatsu würde legendär und fantasievoll sein ... die feindlichen Soldaten würden sich ihre elenden Hintern beschmutzen, wenn ihre Offiziere sie über die unsichtbare Grenze im Sand trieben ...



Auszug aus "Zwischen Tod und Leben"

Kah´Niji kannte Werhok viel zu gut. Bei jedem anderen hätte sie gedacht, dass wenigstens ein Funken Mitgefühl ... und gehofft, dass er die Qual Errhyns irgendwann beenden und das arme reuige Kind wieder in die Familie aufnehmen würde. Am Anfang hatte sie sich noch etwas vorgemacht, war zum Gartenhaus geschlichen, um ihren Kleinen zu sehen und viel-leicht ... aber der Soldat hatte sie nicht hereingelassen und Kah´Nunga ... sie hatte lange verbissen geschwiegen.
„Tut mir Leid, Kah´Niji, mein Labor ist für dich tabu“, hatte sie irgendwann abweisend erklärt. „Mir ist das alles viel zu gefährlich. Ich habe keine Lust, deinetwegen zu verschwinden.“
„Dann sag mir wenigstens, was Werhok hier Tag für Tag ...“
„Er weidet sich ...“ antwortete Kah´Nunga knapp. „Und nun geh, sonst befehle ich dem Soldaten, dass er dich gewaltsam nach Hause bringt.“
Kah´Niji blieb nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge umzukehren. Am Abend sprach sie ihren Gemahl an. „Ich war bei dem alten Gartenhaus. Man hat mich nicht hereingelassen.“
„Was hattest du dort zu suchen?“
„Mein Sohn ...“
„Du meinst dieses künstlich aufgepeppte Stück Müll? Bei Am´Ramah! Was haben uns die Genetiker von der Progressgesellschaft nicht alles versprochen: Schönheit, Stärke, überragende Intelligenz, technische Begabung, verbesserte Reflexe ... und dann kriegen wir einen weichlichen Sklavenfreund! Errhyn mag aussehen, wie ein wahrer Sadam, aber das ist eine widerliche Lüge!“
„Er hat nur vier Prozent fremdes Erbgut“, widersprach Kah´Niji mit dünner Stimme. „Es ist trotz allem unser Sohn. Wenn du dich entschließen könntest ... du siehst ihn doch jeden Tag! Bitte!“
„Ich sehe einen winselnden Bastard, der genau das bekommt, was er verdient. Vergiss ihn! Das nächste Kind lassen wir nicht aufbessern! So etwas bringt nur Ärger und außerdem ist es schade ums Geld.“
Kah´Niji fragte nicht weiter. Erst als ihr Ehemann einundneunzig Tage später ruhig am Frühstückstisch sitzen blieb ... „Gehst du heute nicht ins Gartenhaus?“
„Da gibt es nicht mehr viel zu sehen. Der Weichknödel bewegt sich schon eine ganze Weile kaum noch und auch die meisten anderen zeigen bei den Erntezyklen längst nicht mehr so viel Wirkung wie am Anfang. Außerdem stinkt es mir zu sehr.“
„Werhok ...“
„Meinetwegen kannst du dir den kleinen Bastard noch einmal ansehen, bevor Kah´Nunga ihn zu Futterbrei verarbeiten lässt.“
Das hatte Kah´Niji nicht gewagt. Wenn sie angesichts ihres geschundenen Sohnes die Kontrolle verlor und die Genetikerin ihren Schmerz sah, ihre Wut ... ihren Ekel. Sie hätte sie bestimmt verraten und über das, was dann passieren würde, dachte sie lieber gar nicht erst nach. Es gab Gerüchte, die so abscheulich waren ...

Farbcover:

Adriana Wipperling

Seitenzahl:

196 Seiten DIN A4

Preis:

12,30 EURO

Altersbeschränkung:

ab 18 Jahre (Ausweiskopie beifügen!)

Bezug:

Star Trek Forum

Kontakt:

Uschi Stockmann
Otto-Heinrichs-Straße 6
38442 Wolfsburg

uschi@st-forum.de

B E S T E L L E N



zurück