Anneliese Wipperling: "Der weite Weg zur Erde"

Was passiert, wenn man einer neunjährigen Vulkanierin einen Gedichtband von Garcia Lorca schenkt?

Für die junge T’Liza ist es der Beginn einer Kette von Ereignissen, die ihr Leben gründlich auf den Kopf stellen. Sie durchschaut mehr und mehr die Bigotterie und die dunklen Geheimnisse ihrer vulkanischen Vorzeigefamilie, übersteht eine mörderische Überlebensprüfung und wird Zeugin bei der Trennung ihrer Eltern.

Als ihre Mutter den charismatischen Philosophieprofessor Andal heiratet, entdeckt T‘Liza eine faszinierende verborgene Seite Vulkans und findet endlich ihre geistige Heimat.

Doch die Vergangenheit holt sie wieder ein. Schließlich kommt es zu dramatischen Ereignissen, die nicht nur T'Liza in die Verbannung treiben, sondern auch die Grundfesten der vulkanischen Gesellschaft erschüttern ...

Textauszug 1:

Die Halle der alten Gedanken war eigentlich ein Labyrinth und ich war mit dem Mönch und Andal mitgegangen, ohne auf den Weg zu achten. Ich wußte nicht, wo der Ausgang war. Mir blieb nichts weiter übrig, als Andal in die Arme zu nehmen und auf Hilfe zu warten. Er fühlte sich so kalt an, als wäre er auch schon tot.
Nach aus meiner Sicht endloser Zeit kam der graue Mönch wieder. Er rannte förmlich aus dem Saal und in wenigen Augenblicken waren wir von weiteren Mönchen umringt. Sie trugen ihn hinaus in die Sonne und ein Heiler prüfte besorgt seine Lebenszeichen.
"Was ist passiert?" fragten sie mich.
"Professor Andal wurde vor einigen Wochen schwer verletzt. Als die Katras zu ihm sprachen war er damit überfordert", antwortete ich wahrheitsgemäß und nicht sehr erschöpfend.
"So etwas ist noch nie passiert."
Zum Glück öffnete mein Lehrer in diesem Moment die Augen, so daß ich nicht weiter Rede und Antwort stehen mußte.
"Ja", sagte er "ich hätte wohl mit meinem Besuch noch ein wenig warten sollen."
"Und haben Sie erfahren, was sie wissen wollten?"
"Die Antworten waren aufschlußreich."
"Möchten Sie Ihre Erfahrung mit uns teilen?"
"Nein."
Mitten in der Wüste machten wir Halt. Andal zitterte, als steckte die Kälte der Hallen immer noch in seinen Gliedern. Er warf sich in den heißen Sand und streckte sein Gesicht hungrig nach Wärme in die heiße rote Sonne. Ein milchiger Schleier, unser drittes Augenlied, verhüllte seinen Blick. Ich wagte es nicht, ihn anzufassen. Ich wußte, was er gesehen und gehört hatte.
Als wir heimkamen ging Andal sofort in sein Zimmer und verschloß es von innen.
"Was ist passiert?" fragte meine Mutter.
"Ich kann nicht darüber reden. Es war grauenhaft!"
"Befürchtest du etwas bestimmtes?"
"Wir sollten achtgeben, daß er nicht die Einsamkeit sucht und sich selbst tötet."
"Er wird es nicht vor der Zeit tun... und wenn es so weit ist, brauche ich deine Hilfe, Tochter."
"Ich bin keine Heilerin."
"Wir müssen ihn dann nur festhalten. Er darf auf keinen Fall das Haus verlassen. Alles andere überlaß mir."
"Was hast du vor?"
"Ich kann darüber nicht sprechen. Vertrau mir einfach. Ich weiß ganz genau, was zu tun ist."
"Du meinst, Andal ist nicht todkrank und du kannst ihm helfen?"
"Ja, wenn es uns gelingt, ihn im entscheidende Augenblick festzuhalten, wird er überleben."
Ich war trotzdem der Meinung, daß ich Andal in seiner Verzweiflung nicht allein lassen durfte. Ich klopfte an seine Tür, es blieb vollkommen still... Einen Augenblick hatte ich Angst, daß er sich etwas angetan hätte... aber da war immer noch seine mentale Präsenz.... Was sollte ich nur tun?

Textauszug 2:

Nun war ich also im Untersuchungsgefängnis. Anders als der Aufbewahrungsort für verurteilte Verbrecher war es nicht komfortabel und schön... und es ähnelte auch nicht dem wunderbaren Gefängnis aus meinen Träumen. Die Gestaltung und Farbgebung waren geeignet, Depressionen hervorzurufen: Wände, Boden und Decke bestanden aus dem gleichen grauen, elastischen Material. Fenster und Türen waren nicht erkennbar... und es gab keinerlei Möbel.
In regelmäßigen Abständen löste sich ein Teil der Wand auf und gab den Weg in einen kleinen Sanitärraum frei. Man mußte sich beeilen, um die notwendigen Hygienemaßnahmen schnell zu verrichten und rechtzeitig zurückzukehren. Beim ersten Mal schaffte ich es nicht und saß mehrere Stunden in dem winzigen Raum fest, weil der Durchgang zu meiner Zelle nicht mehr existierte.
Sowohl in der Zelle als auch im Sanitärraum befanden sich Aufnahmegeräte. Es gab also keinerlei Privatsphäre. Das Licht wurde in regelmäßigen Abständen abgeschaltet, wahrscheinlich sollte ich in dieser Zeit schlafen. Es war gleichmäßig warm und völlig still. Einmal versuchte ich, durch lautes Schreien Aufmerksamkeit zu erwecken, aber die porösen Wände schluckten jedes Geräusch. Vermutlich mehrere Tage lang ließ sich niemand sehen. Die Nahrungsmittel wurden in den Raum gebeamt und die Überreste auf die gleiche Weise entfernt. Ich sollte wohl nachdenken... vielleicht auch weich werden...
Das Gefängnis war so beeindruckend, daß es mich bis in meine Träume verfolgte...

Ich stand nachts unter freiem Himmel in der Wüste, beobachtete die Sterne und T'Khuth, die majestätisch am Horizont auftauchte... niemand war bei mir... nur in der Ferne heulten einige Lematyas und ein würziger Duft wehte vorüber...ich ging bis zum Rand der Wüste und freute mich, daß T'Khuth nicht zurückwich, sondern entsprechend meinen Wünschen eine Schale mit einer kleinen Öffnung bildete... ich erinnerte mich an meine früheren Ausflüge in die Kristallwelt und flehte Ah'Tha an, mich in Rauch zu verwandeln... als ich auf der anderen Seite war, befand ich mich wieder im Untersuchungsgefängnis in der Hauptstadt... merkwürdigerweise konnte ich nun auch in die anderen Zellen sehen und die Gefangenen beobachten... es waren alles Außenweltler... Menschen, Trill, Cardassianer... und die roten Kristalle, die in der tristen Umgebung heftig funkelten... "Man braucht auf Vulkan keine Dichter" sagte der Cardassianer... "sie bringen nur Unordnung und vergrößern die Entropie des Universums.".... "und man braucht keine Liebe", sagte der Trill. "Du bist beider Verbrechen schuldig."... "Die Ah'Maral sollen verboten werden." flüsterten die Kristalle in meinem Kopf. "Du gehörst auch dazu.".... und dann weinten alle Gefangenen und sagten, daß sie schon tausend Jahre auf ihren Prozeß warteten... ich suchte verzweifelt das kleine Loch in der Wand, um ins Leben zurückzukehren... aber es war nicht mehr da...

Schweißgebadet wachte ich auf und grübelte den Rest der Nacht, ob das vielleicht ein Wahrtraum war und ich in diesem deprimierenden Raum den Rest meines Lebens verbringen mußte. Ich hatte nur eine Hoffnung... daß eine virtuelle Persönlichkeit wahrscheinlich falsche Träume hatte und vielleicht auch nicht die gleichen Fähigkeiten wie die reale Person besaß.
In Gedanken blieb ich hinter dem Ausgang aus meiner falschen Realität stehen, aber ich sprach das Paßwort nicht aus... es war jetzt nicht wichtig, zu wissen, was ein Ah'Maral ist...

Farbcover:

Anneliese Wipperling

Seitenzahl:

204 Seiten DIN A4

Preis:

12,50 EURO

Altersbeschränkung:

ab 18 Jahre (Ausweiskopie beifügen!)

Bezug:

Star Trek Forum

Kontakt:

Uschi Stockmann
Otto-Heinrichs-Straße 6
38442 Wolfsburg

uschi@st-forum.de

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