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Der Turuska Warun aus dem Hause Boras fühlt sich am Institut für alte Geschichte in Heyla´Thur nicht besonders wohl. Er leidet unter dem unnatürlichen Ambiente, seine rassistischen Kollegen ignorieren ihn und sein adeliger Chef übersieht ihn regelmäßig bei Beförderungen.
Aber Warun ist nicht nur Historiker, sondern auch Anführer einer Bruderschaft der Ah´Maral, der verborgenen Krieger seines Volkes, und das hilft ihm durchzuhalten.
Eines Tages begegnet ihm auf einem der geisterhaft weißen Korridore des Instituts ein neuer Kollege: Hijra aus dem Hause Sadam. Der Fremde gleicht dem dunklen Krieger wie ein blasser Zwilling. Warun fühlt sich zu ihm hingezogen wie zu einem Bruder ... er hasst ihn, weil er aus einem der schlimmsten Raspayaticlans stammt ... und ihm ist die Existenz eines Doppelgängers aus einem feindlichen Haus zutiefst unheimlich.
Antworten auf seine Fragen kann er nur in der finsteren Zeit vor Ennu finden.
Warun begibt sich auf eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit ...
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Textauszug 1:
Mirissah, Stadt der mächtigen und grausamen Fürsten vom Hause Sadam! Als ich die Bahnstation verlasse, schlägt mir sofort die Backofenhitze der Wüste ins Gesicht, ein heißer, launischer Wind, derselbe, der daheim Tag für Tag um unsere Zelte heult und den viele Außenweltler fürchten, weil er ihnen die Haut von den Gesichtern schält.
„Bruder“, sage ich zu ihm. „Sei gegrüßt! Du hast mir in Heyla´Thur gefehlt! In den weißen Korridoren hinter dicken Festungsmauern. Die Heyla´Rah verstehen dich nicht. Sie träumen immer noch von den verlorenen Wäldern aber ich ... ich mag dich.“
„Kssss ... ich war schon immer da“, zischelt der Wind mir ins Ohr. „Ich war überall dabei. Ich habe alles gesehen, gehört und geschmeckt. Du willst die Wahrheit über die Vergangenheit wissen? Eine Wahrheit jenseits der Papierberge und Datenbanken?“
„Ja“, flüstere ich atemlos und schaue mich verlegen nach den anderen Fahrgästen um. „Ja, zeig mir die Wahrheit! Alles!“
„Kssss“, faucht der Wind. „Gib Acht! Kssss ...“
Die frische Tünche blättert von den Gebäuden, alte Ladenschilder werden darunter sichtbar.
„Alkabars Schmiede: Gitterstäbe, Ketten, Schlösser!“
„Mirissah-Drogenzentrum: Kerrasaft, Potenzmittel und mehr!“
„Der unentbehrliche Hausfreund: Alles zum Disziplinieren des Personals!“
„Die besondere Apotheke: Blocker, Sensibilisierer und Beendiger!“
„Apusteh: Diplomierter Heiler und Torturexperte."
„Das graue Konsortium: Alles, wofür Ihnen die eigene Gemahlin zu schade ist!"
„Marana-Schwarz-Kurierdienst: Vorbereitung, Verpackung, diskrete Transporte aller Art!“
„Die Glasvogel-Detektei: Wir finden ihre entlaufenen Sklaven!“
„Kssss ... riech mal ... Kssss ... hörst du es? Kssss ...“
Ein bestialischer Gestank lässt mich fast ohnmächtig werden. Qualvolle Schreie hämmern von allen Seiten auf mich ein. Mir wird schwindelig, mein Magen rebelliert heftig. Ich halte mich krampfhaft an einer Mauer fest, hoffe nur, dass ich mich nicht übergeben muss ... und dass die Heimsuchung vorübergeht.
„Brauchen Sie Hilfe? Soll ich einen Heiler holen?“ fragt eine hellhäutige junge Frau besorgt.
„Es ist nichts“, japse ich und verstehe nicht, wie sie angesichts dieser Folter für die Sinne so gelassen bleiben kann.
„Tssss ... nur die Auserwählten können es wahrnehmen.“
„Die Historiker?“ kontere ich laut. Die fremde Frau sieht mich irritiert an und weicht vor mir zurück, als hätte ich eine üble, höchst ansteckende Seuche. „Nein", raunt der Wind zärtlich. „Kssss! Nur die Dichter können das Heute, Gestern und Morgen in seiner wahren Gestalt sehen. Nur sie erkennen das Schicksal jedes einzelnen Heylaners, weil sie alle Einzelheiten gierig aufsaugen. Historiker mögen nur Akten, Zeittafeln, Dynastien, Wirtschaftsdaten und Diagramme. Für sie ist das Whak´nuh eine sehr abstrakte Größe."
Textauszug 2:
Kah´Yumos Hände zittern, als sie Alabam aus seinen Windeln wickelt und gehorsam vor den Ältesten niederlegt.
Wenn das Kind jetzt schreit oder sich beschmutzt, wäre das ein ganz schlechtes Zeichen.
Aber der Kleine beweist, dass er ein uraltes Umah hat, bleibt still liegen und schaut die fremden Erwachsenen mit dunklen wissenden Augen an.
Nur die Gedankentechnikerin und der Wahrträumer bewegen sich, berühren ihn feierlich.
In Kah´Wallans Augen erkenne ich mütterliche Wärme, während die übrigen Ältesten sich mit undurchdringlichen Blicken an dem kleinen dunklen Körper festsaugen.
„Der Urahn unseres Retters ...“ murmelt schließlich eine der alten Frauen andächtig. „Der heilige Beginn einer guten Zeitlinie.“
„Möge dieser Pfad in die Zukunft unversehrt bleiben.“ formuliert der kleinwüchsige Akunah ernsthaft mit heller Stimme.
Alabam strampelt zufrieden, steckt die winzige Faust in den Mund und beginnt, nachdenklich daran zu nagen.
Seine Augen wandern über die Gesichter der Anwesenden, bleiben an Erom hängen, fixieren ihn plötzlich mit unheimlicher Intensität.
„Deinetwegen wäre ich fast im Bauch meiner Mutter gestorben!“ Die mentale Stimme des Kindes klingt erwachsen, hart ... und so laut, dass sie wie eine bronzene Glocke in den Köpfen der Anwesenden widerhallt. „Geh! Ich will dich nicht mehr sehen.“ |