Feuerhände

Zusammengefunden haben wir
in den Tiefen dieses Tanzes,
der mehr ist, als uns jemals möglich erschien.
Dein flachsfarbenes Äußeres
umfängt mein Selbst wie ein seidenweiches Tuch
und trägt es weit, weit davon.

Deine Küsse berühren mein raues
Heimatland, umwirbelt von flüchtigen Sturmböen.
Der Rhythmus ist unstet und doch gleichsam erfüllt
von wilder Harmonie.
Auf der Hängebrücke aus Seil, die wir zwischen
unseren Blicken schlagen,
hebt sich jede Entfernung auf,
und die Empfindungen streichen verzehrend aneinander
wie Feuerzungen um frische Holzscheite.

Es sind unsere Berührungen, die uns glauben lassen,
wir stünden ohne jede Hülle da,
mit singender Haut, die zerbersten möchte
unter ihrem Hauch.
Und doch tun unsere Hände nichts anderes,
als in denen des anderen zu liegen.

Übersinnlich wogend in diesem Meer des gegenseitigen
Verschmelzens,
in der Unerfahrenheit eines einzelnen Moments
zerfallen zehn glühende Sonnen zu Staub,
und wir verbrennen darin.
Unsere blaugrünen Blicke halten einander fest,
berühren die feinsten Fasern dessen,
was die Seele sein mag.

Überall fliegen diese fremden Tiere, umrunden uns,
streifen uns mit ihren riesenhaften Flügeln, doch
es schmerzt nicht.
Dämmerung sucht nach einem Weg ins Gemüt, doch sie findet ihn nicht.
Solange unsere Brücken halten,
kommt kein anderer zu uns durch.
Unsere Körper, erstrahlend in fester Nachgiebigkeit,
tanzen den Tanz wie von selbst.

Nichts anderes ist mehr wichtig,
denn wenn du es schaffst, vollkommen in meiner
Form zu versinken, werde ich rein genug sein,
dich aufzunehmen,
um das Echo der makellosen Hingabe
zu dir zurückzusenden,
bis es sich ins Unermessliche vervielfacht und
wir uns nie mehr erinnern werden, was es hieß,
jemals getrennt zu sein.

Tanze mit mir.
Für immer, mein Geliebter.

(© Ramona Scheerer 2006)



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