Anneliese Wipperling

Im Dschungel – Verlage, Websites, Foren ...



Jeder, der schreibt, möchte irgendwann gelesen werden ... und das nicht nur von der Freundin, dem Freund, der treusorgenden Mama oder ein paar Fans aus der Verwandtschaft. Sonst macht das Ganze irgendwann nicht mehr viel Sinn. Und der Autor verstummt frustriert. Das ist manchmal sehr schade.
Ich denke nicht, dass hinter diesem Bedürfnis in jedem Fall Eitelkeit steckt. Nein, wer lange und tief über seinen Text nachgedacht und ihn mit dem Eifer des Perfektionisten gestylt hat ... nun, er würde das nicht tun, wenn er ihn nicht für wichtig halten würde. Wenn er nicht tief im Innern davon überzeugt wäre, seinen Lesern einen Augenblick vollkommener Schönheit oder Gedanken von besonderer Klarheit und Logik schenken zu können.
Stellt euch vor: Jemand steht mit vollen Händen da und die lieben Mitmenschen gehen desinteressiert und gelangweilt vorbei. Gibt es überhaupt etwas Schlimmeres? Ich denke schon ... auch wenn ich das ungern zugebe. Trennungsschmerz, Krankheit und Tod sind natürlich größere Katastrophen ... aber irgendwie kommen verschmähte Kunstwerke gleich danach.
Welche Möglichkeiten haben Autoren überhaupt, ihre Texte unters Volk zu bringen? Vom Geldverdienen rede ich gar nicht erst.
Ich bin blutige Anfängerin in diesem Geschäft. Trotzdem habe ich schon einige Erfahrungen und Rückschläge bunkern können, die ich anderen ebenso blutigen – oder noch blutigeren – Anfängern nicht vorenthalten möchte.



1. Das unentdeckte Land

Nein, ich habe es bisher nicht gewagt, ein Manuskript an einen angesehenen Verlag zu schicken. Zu schlimm sind die Erfahrungen anderer und ich kenne mich: Spätestens nach der zehnten nichtssagenden Absage würde ich mit dem Schreiben aufhören. Dabei macht mir das Erschaffen von Personen und Welten so viel Spaß, dass ich mir nicht vorstellen kann, darauf zu verzichten.
Ein guter Freund, der viel im eigenen Verlag veröffentlicht und es dennoch geschafft hat, in literarischen Kreisen Ansehen zu erlangen, hat mich dahingehend getröstet, dass ihm die ganze Veröffentlicherei irgendwann gleichgültig geworden wäre. Und dass der schöpferische Prozess allemal wichtiger wäre als das gedruckte Werk. Er ist schwer krank, was seine aktive Zeit erheblich reduziert. Und da schreibt er natürlich – wenn es gerade einmal geht – wie ein Besessener. Für seine hochbrisanten Kindheitserinnerungen hat er jedoch einen „richtigen“ Verlag gefunden. Zum Glück! Denn dieses Buch sollte wirklich nicht in irgendeiner finsteren Nische vermodern. Wir werden es, wenn es fertig ist, unter Buchtipps vorstellen.
Andreas Eschbach, der die Besucher seiner Website mit höchst gescheiten Schreibtipps beglückt, meint, dass ohne einen guten Agenten bei den Verlagen überhaupt nichts laufen würde. Und den würde man daran erkennen, dass er keinen Vorschuss nimmt, sondern sich mit einem bescheidenen Anteil an den Tantiemen des Autors begnügen würde.
Im Klartext: Der glaubt so fest an ein neues Buch, dass er sich dafür den Allerwertesten aufreißt, obwohl es dafür nur bei Erfolg Knete gibt. Herrgott! Wo soll ich so ein Wunderwesen herkriegen? Da tummeln sich doch bestimmt auch allerhand schwarze Schafe. Vielleicht verrät mir irgendwann ein Wahrträumer, wie ich den Richtigen finden kann! Und dann ist es vermutlich wie in der Liebe: „Sie war liebenswürdig und er liebte sie. Er aber war nicht liebenswürdig und sie liebte ihn nicht. Eine alte Geschichte ...“ (Heinrich Heine: Das Buch Le Grande).
Zum Glück habe ich inzwischen einen netten und vertrauenswürdigen freien Lektor kennengelernt. Vielleicht nützt es ja etwas, die diversen Exposés und Leseproben lektorieren zu lassen und dann auf Agentenfang zu gehen?
Andere Ratgeber empfehlen die Teilnahme an so vielen Wettbewerben wie möglich, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, verrückten Medienrummel aller Art, Zusammenarbeit mit örtlichen Literaturbüros und Lesungen. Vielleicht, wenn der Hamster sein Rad mit rekordverdächtiger Schnelligkeit rotieren lässt, wird irgendjemand auf seine Aktivitäten aufmerksam und Bumm!

Nein, ich denke nicht an eine Bombe sondern an das sieghafte Getöse eines echten Durchbruchs. Okay ... hier kann ich nur über mich selber grinsen. Ich spinne zwar gern ein bisschen herum aber das ist selbst mir zu unrealistisch. Prüfen wir lieber die anderen Möglichkeiten ...



2. Besondere Wohltäter

Ab und zu steht jemand auf deiner imaginären Matte und verspricht dir das Blaue vom Himmel, ist angeblich auf verzweifelter Suche nach neuen guten Autoren oder du findest Webseiten mit verlockenden Angeboten ... überaus verführerische Annoncen. Über solche Offerten gibt es ausführliche Informationen im Web. Da kann ich mir weitere Ausführungen getrost sparen.
Deshalb nur ein paar Denkanstöße.
Ein Geschäft ist ein Geschäft und wenn die Bedingungen klar sind und der Autor weiß, worauf er sich einlässt, ist gegen einen Verlag, der einen Teil des Risikos auf den Kunden verlagert, prinzipiell nichts einzuwenden. Schlimm ist nur, wenn ein Unternehmen die Kosten geschickt herunterspielt. Wenn die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht  offen zugänglich sind. Wenn so getan wird, als wäre es eine besondere Ehre, dort veröffentlichen zu dürfen. Wenn irgendwelche Leute sich gebärden, als wären sie Samariter und Entdecker, die in erster Linie verkannten Genies zum wohlverdienten Durchbruch verhelfen wollen, sollte man generell misstrauisch werden. Als wenn sich irgendwer jahrelang aus purem Altruismus für nichts abrackert! Schließlich muss doch jeder leben.
Nein. Da sind mir ehrliche Kapitalisten wesentlich lieber.
Also erst einmal das Kleingedruckte gründlich studieren und ja nicht auf all die zuckersüßen Schmeicheleien hereinfallen!
Recherchen über Ansehen, Profil und Geschäftsbedingungen des angepeilten Vertragspartners sind auch äußerst nützlich. Das sind so Momente, wo ich Google über alles liebe!
Und schaut euch an, was da sonst noch publiziert wurde ... ob euch die Nachbarschaft angenehm ist.

Aber vergesst nicht: Ein Makel bleibt immer. Ihr wurdet nämlich nicht auserwählt und honoriert, sondern habt für die Veröffentlichung viel Geld hingeblättert. Dafür muss man nicht talentiert sein. Das kann letztendlich jeder.



3. Kuschelige Biotope des Fandoms

Nein, ich verachte diese Gruppen begeisterter Geschichtenschreiber nicht. Sie sind wenigstens ehrlich und behaupten gar nicht erst, dass sie große Kunst machen würden. Die Autoren dienen in erster Linie ihren Lieblingsserien oder –filmen ... manchmal demütig, manchmal frech ... zuweilen auch anmaßend und verständnislos. Aber sie halten sich Gott sei Dank nicht für Literaten! Obwohl einige dieser schreibenden Fans so kreativ sind, dass sich die Macher der Serien und gewisser Merchandisingartikel etliche Scheiben davon abschneiden könnten. Ich schreibe immer noch gern für das STAR TREK FORUM. Wenn diese Leute mich nicht so freundlich aufgenommen hätten, wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, mich mit Prosa zu befassen.
Aber das ehrliche Dilettantentum hat auch eine Kehrseite: Die wenigsten Fanzineschreiber beschäftigen sich ernsthaft mit dem Handwerk des Schreibens. Viele lesen nur Genreliteratur ... manchmal sogar ausschließlich Bücher und Zines zur geliebten Serie. Und sie übernehmen unbekümmert die gängigen Formate des amerikanischen Fernsehens. Aber nicht alles, was auf dem Bildschirm funktioniert, eignet sich auch für geschriebene Texte.
Früher, in den Zirkeln Schreibender Arbeiter gab es – im Gegensatz zu den Fanclubs – immer einen künstlerischen Leiter. Gut, das waren nicht immer besonders angesehene Schriftsteller ... aber alle Zirkelleiter mussten Kurse belegen. Die wussten genau, was ein Roman ist, eine Shortstory oder eine poetische Idee. Man konnte sich darauf verlassen, dass ihre Meinung einigermaßen Hand und Fuß hatte. Auch wenn sie manchmal ein bisschen doktrinär und nervtötend waren ... ich habe von diesen Leuten eine Menge gelernt.
Heute blühen überall merkwürdige Sumpfblüten angemaßter Kompetenz und es ist erschreckend leicht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Und da meine ich nicht nur die Zunft der Parawissenschaftler und Gurus sondern auch andere selbsternannte Experten. Ich werde das weiter hinten ein bisschen auseinanderpflücken.
Nach meinen Beobachtungen beschreiten nur wenige Mitglieder von Fanclubs den Weg zum Profiautor. Aber die wenigen Beispiele sind ermutigend. Es gibt auch in diesen Kuschelecken fleißige und selbstkritische Arbeitstiere, die sich nicht von Lobhudelei einseifen lassen und unbeirrt immer weiter an sich arbeiten. Manche finden sogar einen Agenten ...

Autoren des STAR TREK FORUM haben Krimis geschrieben ... Bände mit SF-Shortstories, einen Vatikanthriller ... jemand war einige Zeit lang Storyredakteurin der angesehenen Zeitschrift „phantastisch!“ andere haben ein tolles Onlinemagazin gegründet. Vielleicht schaffe ich auch irgendwann irgendwas.



4. Die eigene Website

Das Web ist manchmal eine berauschend weite Prärie, manchmal ein brütender Dschungel, eine hektische Großstadt ... eine stinkende Müllhalde. Oder ein Refugium für Kinderschänder Spammer, Hacker und Betrüger aller Art. Oder für Textdiebe der übelsten Sorte. Aber man findet dort auch interessante Freunde, Seelenverwandte, Mitstreiter und jede Menge Leser. Eine eigene Website ist auf jeden Fall ein guter Anfang und wenn sie erst ordentlich verlinkt und googelfit ist ...
Die Besucherzahlen von „Sandozean“ stimmen mich zuversichtlich ... auch wenn das Feedback leider ein bisschen spärlich ausfällt. Jedenfalls scheinen die dargebotenen Bilder, Artikel, Shortstorys und Gedichte den Leuten zu gefallen. Sonst würden die Besucher ja nicht wiederkommen.
Also ist die Schreiberei nicht ganz und gar sinnlos!
Leider gibt es jedoch da draußen Unmassen solcher privaten Homepages und einige davon sind in der Lage, ganze Kulturnationen in einem Meer aus Dilettantismus, Seife und Kitsch zu ersäufen. Ich weiß, das klingt jetzt gemein und ich sollte mich über den demokratischen Charakter des Web eher freuen. Schließlich profitiere ich auch davon. Aber glaubt mir: So viel Blümelein, Herzeleid und Gartenzwerge können selbst einen robusten Verstand völlig verkleistern!
Ganz abgesehen davon, dass diese Süßstoffschleudern gebildete Leser verschrecken und die ganze Zunft der Internetschreiber in Misskredit bringen. Was muss man tun, um sich dagegen abzusetzen? Manchmal wünsche ich mir eine Kitschforce! Oder wenigstens schrille Warnsignale beim Öffnen solcher Seiten ... obwohl es die meistens schon in Form von fallenden Herzchen, flatternden Elfen und ähnlichen animierten „Kunstwerken“ gibt. Trotzdem bleibt es beim „Betreten auf eigene Gefahr“.
Es gibt nur die Möglichkeit, sich gute Verbündete zu suchen. Und genau aufzupassen, mit wem man sich auf gar keinen Fall zusammentun darf. Links zu anderen Seiten sollten daher mit der gebotenen Vorsicht gelegt werden. Nicht jeder, der einladend die Arme öffnet, eignet sich wirklich als Freund.

Eine Garantie, irgendwie ernst genommen zu werden, ist das aber auch nicht.



5. Lorbeer im Web

Da gibt es zunächst die Awards. Auf manche kann man wirklich stolz sein, weil ihre Verleiher äußerst kritisch sind, Inhalte und Funktionalität sorgfältig prüfen und auf Werbelinks (z.B. zu Jokers oder Amazon) allergisch reagieren. Wir hätten beinahe den Westerwälder Silberaward bekommen. Aber leider haben die einen ganzen Monat aus unbekannten Gründen unter den Tisch fallen lassen. Erst wollten wir protestieren ... aber eigentlich war zu dieser Zeit unser Eifer bei der Jagd nach solchen Trophäen schon weitgehend abgeflaut. Wir haben die Auseinandersetzung eine Weile vor uns hergeschoben und es dann vergessen.
Viele Awards sind nämlich die Bits und Bytes, aus denen ihre Pokale und Glitzersternchen bestehen, nicht wert. Jeder kann Awards verleihen und seine Freunde damit glücklich machen. Häufig läuft das nach dem Prinzip: „Ich gebe dir meinen Award und du gibst mir deinen“. Auf diese Weise kommen ellenlange Listen mit Auszeichnungen für eher mittelprächtige Gebilde zusammen. Es ist nicht anzunehmen, dass ein Mensch mit Einfluss im Literaturbetrieb so etwas ernst nimmt. Awards dienen eher der Befriedigung der eigenen Eitelkeit.
Und dann gibt es noch Wettbewerbe und Anthologien. Vielleicht ist das der richtige Einstieg für ehrgeizige neue Autoren. Immerhin empfehlen auch seriöse Ratgeber wie Andreas Eschbach, dass man sich daran beteiligen soll.
Ja, das stimmt. Eine Veröffentlichung in einem angesehenen Magazin oder einer qualitativ hochwertigen Anthologie ist tatsächlich eine Art Ritterschlag. Allerdings gibt es erst einmal nur den allerniedrigsten Adelstitel, den man sich vorstellen kann. Aber Vorsicht ...
Jeder, der eine Autorenplattform betreibt, Anthologien herausgibt oder einen Wettbewerb ausschreibt, behauptet, äußerst kompetent und einflussreich zu sein. Mir ist nicht ganz klar, wie man hier die Spreu vom Weizen sondern kann.
Schließlich wäre es sehr undemokratisch, nur staatlich gesponserte Aktivitäten zu akzeptieren.
Ich empfehle einen kritischen Blick auf die bisherigen Sieger und ihre Texte. Wenn bei einem Lyrikwettbewerb z.B. jemand den ersten Preis für eine in handliche Stücke zerhackte Landschaftsbeschreibung bekommt, ein ausuferndes Pamphlet ohne jede poetische Idee oder gar für ein Rudel belangloser Knittelverse, dann weiß ich, dass die Protagonisten selbst ernannte Fachleute ohne jede Kompetenz sind. Wie stolz darf ich darauf sein, von solchen Pfuschern gelobhudelt zu werden? So etwas mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich lasse jedenfalls die Finger davon.
Manche Anthologien kommen mit so hochtrabenden Namen daher, dass ein unerfahrener Autor gar nicht wagt, den Wert einer solchen Veröffentlichung zu hinterfragen. Nein, ich nenne hier keine Namen, denn das könnte unter Umständen teuer werden.

Bleibt einfach wachsam, Freunde und lasst euch nicht blenden! Manches, was schnellen Erfolg verspricht, kann genau das Gegenteil bewirken



6. Moderne Konzepte

Ich habe dieses Jahr mit einigen Freunden zusammen einen Lyrikband bei einem bekannten On-Demand Verlag herausgebracht. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren: Die Kosten waren klar strukturiert und fair, die Beratung ausgesprochen kompetent und freundlich ... und ich hielt hinterher ein handwerklich ordentlich gemachtes Buch in den Händen, das unseren Freunden gefällt und sich bei Lesungen ausgesprochen gut verkauft.
Es gibt nur einen schlimmen Wermutstropfen: Obwohl das Buch im Buchhandel gelistet ist, findet es so gut wie keine Käufer. Niemand nimmt diese Veröffentlichung ernst! Unsere Buchhandlung vor Ort war nicht einmal bereit, drei oder vier Exemplare ohne jedes Risiko in Kommission zu nehmen und Rezensionen gab es nur von örtlichen, teilweise werbefinanzierten, Zeitungen.
Ich verstand das nicht ... war wütend, enttäuscht und frustriert. Unterm Strich brachte mir diese Buchveröffentlichung auch nicht mehr Leser als das STAR TREK FORUM ... und keinerlei Feedback. Es ist, als hätte man einen Stein in einen Ozean geschmissen. Und nun liegt er da unten, wird ab und zu ein bisschen von den Wellen hin und her gerollt ... und das war es dann.
Dabei ist der Grundgedanke der On-Demand Produktion großartig! Bücher werden erst nach dem Kauf gedruckt ... es gibt keine unnützen Papierberge mehr, Autoren haben wieder genug Platz in ihren Kellern und ganze Wälder brauchen nicht gemeuchelt zu werden, was unserer geschundenen Atmosphäre gut tut. Ich habe lange im Umweltschutz gearbeitet. Deshalb hat mich das Konzept begeistert.
Es dauerte eine Weile, bis ich herausfand, was für einen schlechten Ruf On-Demand Autoren haben. Der Grund dafür ist, dass dort halt auch die allbekannten Dilettanten veröffentlichen ... dass die Bücher nur dann lektoriert werden, wenn der Autor diesen Baustein für viel Geld einkauft ... und dass die eher minderwertigen Produkte möglicherweise recht zahlreich sind. Ich habe zu wenige davon gelesen, um das genau einschätzen zu können. Aber es deutet einiges darauf hin.
Es gibt eben mehr Möchtegernpoeten als wahre Könner und der Verlag will schließlich mit seinen Mitarbeitern auch leben. Geschäft ist halt Geschäft und solange ein Text nicht verfassungsfeindlich oder pornografisch ist, wird er stoisch abgearbeitet ... egal, wie blödsinnig, dilettantisch und fehlerhaft er ist.

Es ist schon klar: Was so einfach und ohne Hürden funktioniert, wird massenweise genutzt ... was hatte ich da eigentlich erwartet? Ich glaube nicht, dass ich mich demnächst noch einmal auf einen On-Demand Verlag einlassen werde. Es sei denn, er lässt ein Minimum an Qualitätskontrolle bei der Auswahl der Manuskripte walten ... aber dann würde die Veröffentlichung deutlich teurer werden. Und ob ich mir das leisten kann? Also zurück zum Fandom oder in die Schublade?



7. Internetforen

Bringt es etwas, in einem Internetforum mitzuarbeiten? Das kann ich noch nicht einschätzen, weil ich das noch nicht lange genug mache. Bis jetzt würde ich die Erfahrungen als eher durchwachsen bezeichnen. Ja, man kann dort Rat und Hilfe bekommen und neue Freunde finden. Allerdings findet man die gebotenen Schreibtipps klarer und ausführlicher in den gängigen Handbüchern und auf speziellen Infoseiten für Autoren (z.B. das sehr seriöse www.autorenforum.de) ... und die sonstigen Ratschläge habe ich noch nicht ausprobiert. Fragt mich bitte in zwei oder drei Jahren, inwieweit mir solche Plattformen weitergeholfen haben.
Ein anderer Aspekt: Menschen benehmen sich in der Öffentlichkeit immer etwas merkwürdig und so sind Internetforen (wie Big Brother) auch typische Marktplätze der Eitelkeit. Da wird schamlos geprahlt und gelobhudelt, gezankt und gelitten. Und mit Brachialgewalt um eher unwichtige Rangordnungsplätze gekämpft. Ich verstehe nicht, warum manche eher peinliche Differenzen nicht über persönliche E-Mails geklärt werden. Und warum Leute der Öffentlichkeit stolz kundtun müssen, dass sie anderen ein Pöstchen als Moderator weggeschnappt haben ...
Und es ist wie überall: Einige wenige reiben sich auf, während die Mehrheit sich mit einer persönlichen Vorstellung und einem werbewirksamen Link auf die eigene Website begnügt und sich im Übrigen grinsend zurücklehnt. Wieder andere müllen im Stundentakt die verschiedenen Rubriken des Forums mit ihren Texten voll, damit ja kein anderer Beachtung findet.
Wenn der Administrator kein guter Dompteur ist, geht irgendwann alles Drunter und Drüber. Dann läuft die Herde früher oder später beleidigt auseinander und ballt sich unter einem anderen Administrator und einem neuen Namen zu einer anderen Quasselecke zusammen. Wenn der Neue es jedoch schafft, die Egomanen im Zaum zu halten, bildet sich irgendwann eine dieser gemütlichen stabilen Kuschelecken, die diversen Fanclubs nicht unähnlich sind. Zugegebenermaßen kann man sich da recht wohl fühlen ... aber ob das wirklich weiterhilft?
Freilich behaupten einige Foren von sich, nur handverlesene hochwertige Autoren zu dulden. Bei näherer Betrachtung der eingestellten Texte entpuppt sich die Mannschaft jedoch fast immer als das übliche Konglomerat aus talentierten Newcomern und gewitzten Dilettanten. Bis jetzt habe ich kein Forum gefunden, an dem sich halbwegs prominente Profischriftsteller beteiligen. Aber das kann natürlich auch an mir liegen. Ich habe eben nicht gründlich genug gesucht.
Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, warum Autoren, die es „geschafft“ haben Internetforen eher meiden: Sie haben keine Zeit, sich dort herumzutreiben, weil sie ihre Termine halten müssen ... und sie achten penibel auf die Nachbarschaft. Wie in der feinen Gesellschaft ist es halt auch in der Literatenszene wichtig, sich genau zu überlegen, mit wem man sich in der Öffentlichkeit blicken lässt ... und wo man seine kostbaren Texte platziert.
Bis jetzt machen mir manche Foren noch – zumindest teilweise – Spaß. Allerdings achte ich inzwischen darauf, dort nicht zu viel Zeit zu verbringen und nicht auf jeden Pieps zu reagieren. Die Funktion zur Benachrichtigung bei relevanten Beiträgen habe ich fast überall abgeschaltet, damit ich nicht von eigenen wichtigen Vorhaben abgelenkt werde. Ich gucke nur ab und zu nach, was sich da tut. Seitdem komme ich mit meinen Storys und Romanen wieder schneller voran. Und ich ärgere mich seltener.
Und noch etwas: Die Verkaufszahlen für meinen Lyrikband haben sich mit dem Beitritt zu diesen Foren nicht verbessert. Insofern ist die Frage nach dem direkten Nutzen bereits beantwortet.
Einen privaten Kreis aus Gleichgesinnten kann ein Internetforum sowieso nicht ersetzen.
Oder bin ich da altmodisch?



Fazit

Newcomer haben es schwer. Auf der einen Seite blockieren die ansässigen Igel (siehe Anneliese Wipperling: Die Krux mit den Mentoren) gern den Zugang zu den Futterkrippen. Andererseits gibt es jenseits der professionellen Veröffentlichung bei einem angesehenen Verlag (mit Honorar!) kaum eine Nische, die nicht auch von größenwahnsinnigen und übereifrigen Dilettanten aller Art zugemüllt wird.
Ich habe keine Ahnung, was man tun muss, um in diesem Ozean aus peinlichem Kitsch und nicht zuordenbaren halbfertigen Texten nicht abzusaufen. Wenn ich es herausgefunden habe, sage ich euch sofort Bescheid. Versprochen!
Und denkt immer daran: Nicht alles da draußen ist das, was es zu sein vorgibt. Und das gilt nicht nur für das Web!

 

© 2007 by Anneliese Wipperling



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