Anneliese WipperlingHilfe, meine Tochter hat ein Alien geheiratet!Michelle muß vollkommen verrückt sein! Ein bißchen gesponnenen hat sie ja schon immer ... sie hat leider diese Star Wars- und Obi-Wan-Macke, träumt von Jedirittern mit Lichtschwertern! Natürlich ist sie sich viel zu fein für ganz normale französische Männer. „Nein, Mama, ich will diesen Beamten vom städtischen Wasserwerk nicht ... und auch nicht den Lehrer. Nein, Mama, ich liebe keinen von beiden ..." Und dann fiel ihr auf einmal eine ganz neue Marotte ein: vulkanische Philosophie! Als wenn eine hübsche Frau so etwas braucht! Wenn es nach mir gegangen wäre ... Paul hätte mir als Schwiegersohn schon gefallen, er grüßt immer so nett, sieht tadellos gepflegt aus ... und er wird irgendwann das entzückende kleine Bistro am Markt erben. Michelle hätte es so gut gehabt! Immer genug Krediteinheiten! Ich weiß doch, was es heißt mit einem schlecht bezahlten Bibliothekar verheiraten zu sein, der obendrein nur Sinn für seine Schmöker hat und seiner Tochter völlig überflüssige Schnapsideen in den Kopf setzt ... so was wie vulkanische Philosophie! Aber das war wohl eher dieser Professor Andal. Mit dem hat alles angefangen ... mit seiner vulkanischen Philosophie und seinem kostenlosen Privatunterricht in Mentalkontrolle. Man müsste so was glatt verbieten: Außerirdische, die anständigen Menschen die gut bezahlten Professorenstellen vor der Nase wegschnappen und den Studenten irgendwelchen Müll eintrichtern. Meine Michelle hat nur noch Flausen im Kopf, seit sie diesen Andal kennt. Sie wollte sogar in den Ferien nach Vulkan, als wenn jemals einer aus unserer Familie sich so eine teure Reise geleistet hätte! Ich habe gesagt, dass bei dem mickrigen Einkommen ihres Vaters so was nicht drin wäre und basta! Da hat sie den ganzen vulkanischen Philosophiequatsch wie eine Verrückte gebüffelt und leider ihre ersehnte Reise ins gelobte Land als Auszeichnung gekriegt. Sie ist einfach mit so einem dürren, grünblütigen Kerl zur Erde zurückgekommen! Der hat sich doch glatt erdreistet, dem netten Paul zu verbieten, meiner Tochter Blumen zu schenken, weil meine kleine Michelle nun seine Gemahlin sei und es nicht richtig wäre, dass er sie immer noch sexuell begehrt! Er hat es einfach so ausgesprochen und der arme Paul ist knallrot geworden und mitsamt seinen Blumen geflüchtet. Verdammte Vulkanier! Ich möchte bloß wissen, was sie an dem krakeligen Kerl findet? Er ist groß, knochig und obendrein auch noch schwarz wie die Nacht ... und dann diese Ohren! Dabei hat Michelle sich jahrelang wie ein Püppchen Rühr-mich-nicht-an aufgeführt ... sie war so zickig, dass ich schon befürchtete, dass sie gar keinen Mann abkriegt. Nur deshalb habe ich mich doch für sie auf die Suche gemacht! Dieses ganze überempfindliche Getue hat so genervt ... und nun ... Und alles hat mit dieser widerlichen vulkanischen Philosophie angefangen! Man sollte so etwas gar nicht erst an unseren Universitäten lehren! Als wenn wir Menschen nicht unsere eigenen Philosophen hätten ... und nette Männer wie Paul! Das Schlimmste war: Meine kleine Michelle ist einfach mit ihm weggegangen! „Ich bin nicht mehr eure Tochter! Wenn ihr meinen Ibor ablehnt, bin ich nicht mehr eure Tochter!" Danach ist ihr feiger Sack von Papa aufs Klo verschwunden und nicht wieder aufgetaucht ... es gab leider eine Hintertür. Wahrscheinlich besäuft er sich jetzt gerade irgendwo, während ich vor Wut Torte in mich hineinstopfe und am liebsten diese arroganten Vulkanier mit Stumpf und Stiel ausrotten würde! Wer braucht solche Affen schon, ihre dämliche Mentalkontrolle, ihr stinklangweiliges, hochtrabendes Getue oder gar ihre abartige Philosophie! Die Menschheit wäre ohne Vulkanier viel besser dran! Jetzt ist es schon ganze sieben Wochen her und meine Michelle ist tatsächlich nicht wieder nach Hause gekommen. Mein Mann ist neuerdings dauernd unterwegs ... und wenn er zu Hause ist, liest er irgendwelche unverständlichen Datenpads über irgendwelchen vulkanischen Unsinn! Wie es aussieht, hat er sich mit dem Spitzohr arrangiert. Aber ich werde das nicht tun! Niemals! Und jetzt sitze ich unauffällig in der Mensa und versuche, meine Tochter allein abzupassen. Da kommt sie ja endlich ... und natürlich wieder mit ihrem Kerl! Wahrscheinlich studiert der auch hier, denke ich ... und sehe auf einmal, wie die Studenten ihn ehrfürchtig grüßen: Hätte Michelle nicht gleich sagen können, was für ein großes Tier sie sich geangelt hat? Aber halt! Wenn dieser Ibor Professor ist, wieso verlangt Michelle dann immer noch Taschengeld von uns? Ihr Spitzohr ist doch viel reicher als wir, da wird er doch für seine „Gemahlin" allein aufkommen können ... oder? Am besten, ich frage ihn gleich, aber nun verschwindet er leider mit schnellen Schritten durch eine Tür ... und Michelle zeigt mir einfach die kalte Schulter, sieht mich nicht einmal an! Am besten ich gehe heute Abend zu ihr in ihre Studentenbude und stelle sie zur Rede! Ich hasse den Kerl! Nein, diesmal nicht das Spitzohr ... sondern meinen verlogenen Ehemann. Ich habe es satt, mich ausnutzen und zum Narren halten zu lassen! Heute Abend bin ich zu Michelle gegangen ... um sie zu fragen, ob sie was braucht, ob der verdammte Vulkanier sie auch anständig behandelt und nicht etwa eine Gehirnwäsche mit ihr angestellt hat, warum dieses geizige Spitzohr Geld von uns verlangt, obwohl er viel reicher ist, als wir ... und warum er nicht wenigstens ihre Studentenbude bezahlt. Ich habe mich richtig in meine Wut reingesteigert ... und dann sehe ich den Briefkasten im Flur, an dem ‚Marcel Maras' steht! „Wie kommt der Name meines Mannes an Michelles Tür?“, denke ich noch ganz irritiert und dann kommt die Concierge aus ihrem Glaskasten und klärt mich genüsslich auf: „Die Frau Professor ist doch schon vor sieben Wochen ausgezogen ... in eine piekfeine Gegend übrigens ... nur Villen und Etagenwohnungen ..." Mein Gott, war ich blöd! Deshalb ist der Kerl so viel unterwegs! Mein findiger Ehemann steckt das Geld für die Miete und Michelles Taschengeld einfach in die eigene Tasche und finanziert davon sein Liebesnest! Vielleicht sollte ich mir von der alten Concierge doch die Adresse des vornehmen Professors geben lassen. Ich habe gehört, dass diese Vulkanier sehr auf Familie stehen und dass ihre ältesten Mütter enorm viel Macht haben. Vielleicht kann mein lieber Schwiegersohn meiner lieben kleinen Michelle erklären, wie wichtig es ist, die eigene Mutter zu respektieren ... ganz egal, ob sie ausnahmsweise Mal etwas Dummes gesagt hat oder nicht ... und vielleicht gibt er mir sogar regelmäßig ein wenig Geld und ich muß doch nicht ... ©; 2002 by Anneliese Wipperling |