Rene Barz

Old Warriors

Kang schwang die Beine über die Pritsche und rieb sich mit den Fingern seinen knochigen Nasenrücken. Ein Ruck fuhr durch das Schiff, als sie unter Warp fielen und es wurde hell. Er blickte aus dem schmalen Fenster, dem Ursprung der einzigen Lichtquelle in dem kleinen Quartier. Draußen im All gleißten die beiden Sonnen des Lorenia-Systems und glitten nur langsam an ihnen vorbei, während sich ihr Schiff mit einem viertel Impulskraft einen Weg durch diesen Bereich des Raumes bahnte. Schräg einfallende Strahlen zeigten das ermüdende Braun der Wände des spartanischen Raumes, in den man Kang untergebracht hatte. Er nahm sich einmal mehr vor, sie neu streichen zu lassen, ehe er in Depressionen versinken würde.
Nach einer Weile, in der Kang vergebens versuchte die Müdigkeit zu bekämpfen, stand er auf und streckte sich. Knochen und Muskeln taten ihm weh, und er war darüber sehr verärgert. Er achtete darauf in Form zu bleiben, und als Greis konnte man ihn gewiss nicht bezeichnen. Nach klingonischen Maßstäben war er aber auch gewiss nicht mehr in seinen besten Jahren.
Die meisten lebten nicht einmal so lange, sondern traten viel früher in ruhmreichen Schlachten und Zweikämpfen ab. Ein erstrebenswertes Schicksal, das ihm leider verwehrt geblieben war. Das Ziehen in seinem Rücken wollte nicht nachlassen. Vielleicht lag es an der Pritsche. Er hatte sein ganzes Leben lang auf solchen „Betten“ geschlafen - oder direkt auf dem Boden. Er war daran gewöhnt unbequem zu liegen. Aber im Alter... da zollte der Materialverschleiß seinen Tribut. Kang stemmte die Hände in die Hüften und streckte die Wirbelsäule durch, um seinen Rücken zu stimulieren. Ja, die Pritsche. Er spürte ein leichtes Ziehen. Mehr nicht. Alles in Ordnung.  Hm.
Wurde es Zeit für eine Untersuchung?
In der Kolonie gab es die dafür notwendigen Einrichtungen. Moderne Geräte. Kang wusste darüber genau Bescheid: Schließlich hatte er sie selbst bestellt und war maßgeblich an ihrer Installation beteiligt gewesen. Ein Krieger musste schließlich vorsorgen. Für den Notfall. Aber das hier... das hier war ganz sicher kein Notfall. Er hatte nur schlecht geschlafen. Der Flug war auch sehr unruhig gewesen. Vermutlich saß ein Neuling am Steuer. Die niedrigen Temperaturen, die in diesem Teil des Schiffes herrschten, hatten sicher ihr übriges dazu beigetragen, seinem Körper zuzusetzen, und außerdem... außerdem-
Kang seufzte.
Es gab keine Ausflüchte. Ihm tat der Rücken weh, weil er ein alter Mann war. Und diese Tatsache schmerzte ihm mehr, als alles andere. Vielleicht lagen seine besten Tage tatsächlich hinter ihm. Er sah ein weiteres Mal zum Fenster hinaus. Die Sterne zogen langsam an ihnen vorbei. Er würde bald wissen, ob er zum alten Eisen gehörte. Es wäre eine fürchterliche Schande.
Für einen Klingonen bedeutete Leben Ehre. Und der Fokus dieses Lebens – wodurch diese Ehre gewonnen wurde - war der Kampf. Jede Begegnung war ein Duell. Jede Interaktion, ganz egal wie sozial oder trivial, musste einen Gewinner haben. Und einen Verlierer. Doch wie konnte man noch gewinnen... und Ehre erlangen... wenn der Geist zwar willig, das Fleisch aber schwach war? Es gab keinen Platz für die Alten, abseits der Kneipen und Tavernen. Das Schlachtfeld gehörte den jungen Leuten. Als Kultur, wurden die Klingonen bewundert. Sie bewiesen Kraft, Mut, Aufopferungsbereitschaft und eine erstaunliche Kampfkunst. Und sie waren stolz. Sie würdigten keine Gleichgesinnten. Erst recht keine Menschen. Kang erinnerte sich an die alten Tage, in denen die Klingonen und die Menschen miteinander im Krieg standen. Und manchmal... da sehnte er sich diese Tage wieder herbei. Wie er auf der Brücke seines Schlachtschiffes inmitten seiner Männer aufragte, groß und ehrfurchtgebietend, und sie erbarmungslos in den Kampf anführte, gegen würdige Gegner, wie James T. Kirk einer war.
Oh ja, die alten Tage. Wie sehr er sie vermisste. Inzwischen mochten sie mit den Menschen im Frieden stehen, doch wie eine alte Weisheit bereits sagte... ein Klingone hat keine Freunde. Er hat würdige Feinde, die tot waren, oder kurz davor standen, zu sterben. Alle anderen waren gejagte. Kang schüttelte langsam den Kopf. Wenn er alt sein mochte, sollten sie ihn ruhig in die Bürokratie abschieben. Aber vorher wollte er sich an einer letzten Jagd versuchen. Um zu sehen, ob die Gerüchte stimmten. Und Kirk noch immer lebte.
Einer seiner Untergebenen kam herein, ein viel zu junger, vitaler Klingone. Der Waffenoffizier des Schiffes. Kang sah auf. „Sind wir in Reichweite?“
„Ja, Gouverneur. Wir haben den Planeten erreicht schwenkten soeben in eine niedrige Umlaufbahn.“
„Exzellent.“ Kang griff nach seinem Rucksack und schwang sich den Riemen über die Schulter. Die Läufe dreier Disruptoren ragten aus einer Seitentasche. In einer anderen blitzte die Klinge eines Messers. Er war zweifellos kampfbereit. „Beamen Sie mich herab und kommen Sie in einer Woche wieder.“ Sein geliebtes Bat’leth lehnte an der Wand - eine Waffe, geschwungen wie ein Scimitar. Es mochte einige Jahre und Kämpfe hinter sich haben, aber die Klinge war noch immer so scharf und tödlich wie am ersten Tag. Es gab nichts tödlicheres.
Passend, dachte Kang mit einem grimmigen Lächeln. Wie der Träger so das Schwert. Er nahm das Bat’leth an sich und wollte hinaus auf den Korridor treten, doch der Waffenoffizier machte keinen Platz.
„Ist noch etwas?“, verlangte Kang zu wissen.
Der Waffenoffizier schob trotzig das Kinn vor.
„Es ist dort unten nicht sicher für Sie, Gouverneur. Selbst unsere hochentwickelten Schiffssensoren arbeiten in diesem System nicht richtig. Es könnten alle möglichen-“
„Ich scheue die Gefahr nicht!“
„Aber Gouverneur...“
„Was aber? Denken Sie, ich könnte mich nicht mehr wehren, weil ich grauhaariger bin? Denken Sie, das Alte sei wertlos und unfähig?“ Er schwellte die Brust und verkündete laut: „Ich bin Kang, Krieger des Imperiums. Mein Auge ist wachsam, mein Arm stark und mein Herz rein. Mein Leben ist Kampf und Ehre, und auch wenn man mich zum Gouverneur einer Kolonie ernannt haben mag, kann mir niemand das Recht nehmen, mir meine Ehre zu verdienen!“
Der Klingone senkte den Kopf. Er schien noch etwas sagen zu wollen, überlegte es sich dann aber anders. Aber er musste auch gar nichts sagen. Kang wusste nur zu gut, welche Zweifel in dem jungen Mann vorgingen. Er hatte sich selber Gedanken darüber gemacht. „Ich weiß, dass die Berichte um seinen Tod nicht stimmen.“, beteuerte er. „Jemand wie Kirk kommt nicht bei einem Unfall ums Leben. Seine Leiche wurde nie gefunden und ehe sich das ändert, weigere ich mich, seinen Tod zu akzeptieren. Kirk und ich, wir wurden in dem selben Feuer des Kampfes geschmiedet, wir sind Kriegerseelen... und wir werden nun unser Können in einer finalen Konfrontation testen. Kehren Sie in einer Woche zurück. Das ist ein Befehl.“
Mit diesen Worten trat er an dem Waffenoffizier vorbei und begab sich in den Transporterraum.

 

Der Neuling begann bereits Eindrücke zu sammeln, obwohl die Rematerialisierungsphase noch nicht ganz beendet war. Ein dichter Dschungel umgab ihn, wild wachsende Pflanzen, kleine und große Bäume. Manche waren nur etwa einen Meter groß und trugen hellgelbe Früchte. Andere ragten bis weit in den Himmel hinauf. Durch das dichte Blätterdach der Baumkronen kämpften sich vereinzelte Lichtstrahlen hinab. Die Sonnen neigten sich dem Horizont zu; der Einbruch der Nacht stand bevor. Staub tanzte in den schräg einfallenden Strahlen.
Der Mann senkte den Blick und legte vorsichtig seine Tasche mit der Zeltausrüstung zwischen einigen großen Blumen ab, deren untertassengroße Blüten rote und gelbe Streifenmuster aufwiesen. Ein sanfter Wind trug die Düfte verschiedener Pflanzen mit sich und strich ihm durch das schwarze Haar, das an den Schläfen bereits deutlich ergraut war, was ihm ein distinguiertes, ehrfurchtgebietendes Aussehen verlieh. Ein Resultat der vielen ereignisreichen Jahre, die bereits hinter ihm lagen. In der Ferne hörte er ein leises, musikalisches Klicken, vielleicht das hiesige Äquivalent von Vogelgezwitscher.
Der Neuankömmling griff in seine Jackentasche, zog einen kleinen Kommunikator hinaus und schnippte das Gerät mit einer gekonnten Handbewegung auf. „Sulu an Excelsior.“, sagte er. „Commander Rand, ich bin sicher auf der Oberfläche angekommen. Werde jetzt mein Lager aufschlagen und die Nacht abwarten, um gleich morgen mit der Suche zu beginnen. Geben Sie mir drei Tage, dann holen Sie mich wieder ab, nachdem Sie den Gasgiganten erforscht haben, den wir im Nachbarsystem entdeckten.“
Eine weibliche Stimme antwortete: „Aye, Sir. Genießen Sie ihren Kurzurlaub. Excelsior Ende.“
Captain Hikaru Sulu klappte das Gerät wieder zu, steckte es weg und nahm stattdessen einen Tricorder hervor. Der vorbereitete Standardscan aktivierte sofort und präsentierte umgehend die Analyse der näheren Umgebung: keine Anzeichen von Gift, keine Anzeichen von gefährlichen Insekten, oder Tieren; nur üppige, fremde Flora, die sich kilometerweit auf allen Seiten erstreckte. Nach einigen Sekunden sah Sulu wieder auf und lächelte, in Anbetracht dieser schönen Welt.
Urlaub, dachte er und machte sich daran, das Zelt aufzubauen. Natürlich konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, bereits gejagt zu werden.

 

Sulu war nicht sonderlich überrascht, als die nächsten zwölf Stunden verstrichen, ohne dass sich etwas ereignete. Dies bot auch einen Vorteil – dadurch konnte er acht Stunden schlafen und neue Kräfte sammeln. In seinem Alter nicht unbedingt das schlechteste. Tatsächlich hatte Sulu in letzter Zeit bemerkt, dass sein Körper immer öfter und an den unmöglichsten Tageszeiten nach Schlaf verlangte, während die jungen Offiziere um ihm herum so eifrig durch den Kontrollraum rannten, als hätten sie Raketen an den Schuhen. Insgeheim fragte sich Sulu, wann er die Linie überschritten hatte. Wann er plötzlich nicht mehr dazu gehört hatte. Sondern einer von „denen“ geworden war. Einer von den alten. Den Veteranen. Vermutlich war das geschehen, überlegte Sulu mit leichtem Bedauern, als er angefangen hatte, Mittagsschläfchen zu halten. Jedenfalls war ihm nicht entgangen, dass er sich in letzter Zeit an den ruhigeren Tagen, an denen absolut nichts aufregendes geschah, und die Dinge ganz nach Plan liefen, deutlich wohler fühlte.
Heute war keiner dieser Tage.
Es geschah ohne Vorwarnung. Der Morgen war vor kurzem hereingebrochen und hatte Sulu nach einem außerordentlich wohltuenden Schlaf mit sanftem Vogelgezwitscher geweckt. Er war aufgestanden, hatte eine Tasse Tee aus seiner Thermoskanne getrunken und sich dann daran gemacht, seine Ausrüstung zusammenzupacken, um sich Marschbereit zu machen. Dann erhielt er einen Schlag von der Seite. Etwas Großes, Zotteliges, war mit einem triumphierenden Gebrüll von einer Anhöhe herabgesprungen und Sulu hatte den unbekannten Angreifer erst in dem Moment bemerkt, als es zu spät war.
Ein Tier, schoss es ihm noch durch den Geist. Er sah etwas aufblitzen, eine Kralle vermutlich, und dann brannte seine linke Gesichtshälfte. Der Schnitt war nicht so tief, dass er lebensbedrohlich war, aber tief genug, um Blut hervorquellen zu lassen. Sulu stürzte zu Boden, erschrocken und überrumpelt zugleich. Mit dem Rücken prallte er auf einen Stein, Schmerzen explodierten hinter seiner Stirn, der Sturz presste ihm den Atem aus den Lungen. Sein Phaser wurde aus dem Halfter geschleudert. Sulu versuchte gegen den Schmerz anzukämpfen, zwang sich, die Augen zu öffnen, um sich verteidigen zu können. Die Sonne schien ihm ins Gesicht, blendete ihn. Er sah nur eine schemenhafte Gestalt über sich. Sulu hob die Hände, sowohl zum Schutz vor der Sonne, als auch vor dem Gegner. Das Tier ragte über ihm auf, hob ein Bat’leth zum finalen Schlag und-
Es war kein Tier.
Bat’leth? Klingonen? Hier!?
„Für die Ehre!“, schrie der Klingone und griff an. Er war verdammt schnell. Schneller, als es Sulu lieb war. Sein Schwert glich nur noch einem blitzenden Schemen, als es herabsauste, um Sulus Schädel zu spalten. Sulu rollte zur Seite und entging der tödlichen Klinge nur knapp. Das Bat’leth schlug mit voller Wucht in den Boden, spaltete unterwegs eine dicke Wurzel und blieb stecken. Der Klingone bekam es nicht sofort wieder frei, zerrte und fluchte.
Sulu zog die Beine dicht an die Brust, führte eine elegante Bewegung aus und schaffte es, vom Liegen sofort in den Stand zu springen, wie früher. Immerhin etwas, das noch klappte. Seine Freude wehrte aber nicht lange. Der Klingone hatte seine Waffe befreien können und sofort blitzte die Klinge wieder durch den Wald und raste auf Sulu zu, in schneller Folge. Er wich aus, jedes Mal knapp und plötzlich stellte Sulu fest, dass er zurückgedrängt wurde. Immer schneller, immer weiter, und auf einmal hatte er eine Schnittwunde am Arm, ohne dass er genau wusste, wie er dazu gekommen war. Der Klingone war wild und entschlossen. Sulu konnte nur mit Mühe seinen Schlägen ausweichen. Oder Sulu war langsamer geworden.
Ja.
Ja, das war der verdammte Grund.
Vor zwanzig Jahren, hätte er ihm problemlos ausweichen und ihn überwältigen können. Nun fühlte er sich alt. Er war ja auch alt. Siebenundfünfzig Jahre. Er war nicht mehr der, der er einmal gewesen war. Er mochte an Reife und Weisheit gewonnen haben. Aber von dem Navigator, der es selbst mit einem Samurai aufgenommen hatte, war nicht mehr viel übrig geblieben.
Mit dem Mut der Verzweiflung tauchte Sulu unter dem nächsten Hieb hinweg, verlagerte sein Gleichgewicht und setzte dem Klingonen gekonnt den Stiefel unters Kinn. Der Hüne keuchte erschrocken auf und taumelte zurück. Sein Schwert flog im hohen Bogen davon. Sulu holte aus, zielte auf seine Nase, doch der zerklüftete Untergrund brachte ihn aus dem Gleichgewicht, so dass der Schlag weit daneben ging. Der Klingone kämpfte selbst damit, auf den Beinen zu bleiben, hielt sich die Kehle und hustete.
Sulu wartete nicht, ehe der Kerl sich erholte und trat mit dem anderen Bein aus, diesmal in die Seite des Klingonen, was ihn entgültig zu Fall brachte. Jetzt hatte Sulu endlich die Oberhand. Er wollte seinen Phaser ziehen und die Sache beenden. Der Griff ging ins Leere. Er sah an sich herab. Das Halfter war leer. Kein Phaser. Er musste ihn verloren haben. Wo war die Waffe? Finde die Waffe! Schnell, schnell! Sulu sah sich um. Er konnte sie nirgends sehen.
Der Klingone stemmte sich hoch, suchte nach seiner eigenen Waffe und fand sie ebenso wenig wie Sulu seinen Phaser. Er gab sich nicht lange mit Suchen ab, sondern stieß einen unartikulierten Wutschrei aus, bevor er wieder zum Angriff überging. Sulu konnte nicht schnell genug ausweichen. Der Klingone rammte mit der Schulter voran in den Asiaten hinein. Sulu wurde von den Beinen gerissen, dann stürzten sie gemeinsam zu Boden und rollten einen Abhang herunter, Äste und Blätter schlugen ihnen ins Gesicht. Und dann war da nichts mehr. Sie rutschten über die Kante und in die Tiefe. Sulu ruderte mit den Armen, und plötzlich wurde die Welt um ihn herum leise und still.

 

Sein Fall schien Minuten zu dauern. Sulu hatte Zeit zu beobachten, wie der Klingone nach Ranken und Lianen zu greifen versuchte und sie verfehlte und wie er neben ihm herabstürzte. Er hatte Zeit die grünen Büsche zu betrachten und das Wehen des Grases unter ihnen, auf das er ganz langsam und lautlos zuviel. Dann traf Sulu mit einem harten Schlag auf... und wurde vom Boden verschluckt. Das Gras war weich und stapelte sich hoch und das war vermutlich das einzige, was ihm das Leben rettete und vor größeren Knochenbrüchen bewahrte. Der Klingone landete direkt hinter ihm, mit einem wütenden Keuchen. Und diesmal blieb er liegen. Beide blieben liegen. Es ging auch gar nicht anders. Sulu war fix und fertig. Alles tat ihm weh. Er drehte und verrenkte den Kopf, um zu sehen, ob seinem Gegner auch die Kampfeslust vergangen war. Offenbar. Der Klingone lag einfach da, Arme und Beine weit ausgestreckt, während sich sein Brustkorb zügig hob und senkte. Und erst jetzt, wo sie so nahe beieinander lagen, hatte Sulu die Gelegenheit, das Gesicht des Klingonen genauer zu betrachten.
„Gouver- Gouverneur Kang?“
Der Klingone klang nicht minder überrascht. „Captain Sulu?“
Sulu keuchte. „Umpf, Kang. Denken Sie nicht – oowww – denken Sie nicht, dass wir langsam zu Alt für so etwas sind?“
„Niemals! Hgnnnh.“ Er zog eine gequälte Mine, als er sich versuchte sich auf die Ellenbogen zu stützen, aber seine Muskeln versagten ihm den Dienst. Er plumpste ins Gras zurück. „Nun, vielleicht doch.“, musste er schließlich einräumen. Die nächsten fünfzehn Minuten waren beide damit beschäftigt, das aufrechte Stehen neu zu erlernen.

 

Etwas später saß Kang auf einem kleinen Fels und schüttelte frustriert den Kopf. Vor zwanzig Jahren war er jemand gewesen. Eine Persönlichkeit, ein großer Mann. Er hatte den Gipfels seines Lebens erklommen. Und jede Aktivität, die er seitdem unternommen hatte, war der ununterbrochene Versuch gewesen, diese Tatsache zu leugnen. Er war einmal groß gewesen, zu einer Zeit, als er – tief in seinem Herzen – niemals damit gerechnet hätte, älter als vierzig Jahre zu werden. Er war nur noch ein Schatten des ehemaligen Kämpfers. Wie erniedrigend es doch war, gegen einen Menschen zu verlieren.
Er blickte grummelnd zu Sulu herüber, der eben seine Ausrüstung holen gegangen war und nun an einem Baum lehnte, mit einem dünnen Lächeln im Gesicht. Trotz des Alters hatte er sich offenbar eine jugendliche Vitalität bewahrt, die sich nun deutlich im verschmitzten Ausdruck seiner kleinen Augen zeigte. Und offenbar steckte er den Sturz sehr viel besser weg als Kang, dem immer noch alles weh tat. Oder er wusste es besser zu verstecken.
„Grinsen Sie nicht so, Sulu! Es ist schon schlimm genug, von den eigenen Leuten belächelt zu werden.“ Kang schnaubte. „In meinem Alter behandeln sie einen, wie einen zahnlosen, alten Targ. Dabei sollte jeder wissen, dass gerade die alten Raubtiere die gefährlichsten sind. Ich habe immer noch Größe in mir... Und ich wünsche, den einzigen Mann herauszufordern, der mich jemals wirklich geschlagen hat.“
Sulu hob die Brauen und betrachtete ihn mit einer Mischung aus Missbilligung und Amüsement. „Also haben Sie mich wegen einer Art Mid-Life Crisis angegriffen?“
„Ich sah die Uniform, ich dachte...“ Kang brummte. „Ich dachte, Sie wären er. Kahless Seele erfüllte mich, brachte mein Kriegerherz zum Schlagen. Ich musste handeln.“
„Wie ein Idiot?“
„Menschen!“ Kang spuckte das Wort regelrecht aus. Anstatt wütend zu werden, sackte er in sich zusammen und lies den Kopf hängen. „Sie verstehen einfach nicht.“
Sulu hob gerade seine Ausrüstungstasche auf und legte sich den Riemen um die Schulter. Dann sah er in ein grünes, dicht bewaldetes Tal hinab. „Doch, das tue ich.“, versicherte er. „Mehr, als Sie denken. Ich schätze, wir sind beide aus demselben Grund hier, nicht wahr? Um zu sehen, ob die Gerüchte stimmen.“
Kang nickte stumm.
„Sie sind auf der Jagd nach einem alten Rivalen, Kang. Ich habe Kurzurlaub genommen, um nach einem alten Freund zu sehen. Warum vereinen wir nicht unsere Ressourcen?“ Er wandte den Blick von der herrlichen Landschaft ab und drehte sich zu Kang um. „Und suchen ihn gemeinsam?“
„Und wenn wir ihn finden?“
Sulu zuckte mit den Schultern. Er streckte dem Klingonen eine Hand entgegen. „Dann können wir immer noch auskämpfen, wer ihn behalten darf. Deal?“
Kang starrte nachdenklich auf die Hand vor seinem Gesicht, dann auf Sulu. Schließlich lachte er und entblößte schlechte Zähne. „Deal!“

 

Sie stiegen rasch ins Tal hinab und wanderten von da an quer durch eine Fläche wo die Erde voller schwarzer Krater war, manche anderthalb Meter tief. In der Nähe lagen überall umgeknickte Bäume und sie kamen auch an zerfetzten Steinen vorbei. Sulu vermutete zunächst einen Meteoritenschauer, doch Kang verneinte. Thermaldetonatoren, raunte er nur. Da war er sich sicher. Sulu und Kang marschierten weiter.

 

Am frühen Nachmittag erklommen sie einen Berg, von dem aus sie die Täler überblicken konnten, die in südlicher Richtung hinter ihnen lagen. Aus der Ferne des Tals, von dem sie gekommen waren, hatten sie vorhin hoch oben vom Berg große Rauchwolken emporsteigen gesehen. Inzwischen waren sie vom Wind davon geweht, aber kurze Zeit später hatte es ein Rumpeln gegeben und Sulu war sich sicher, auf dem Plateau an der Spitze des Berges ein Blitzen bemerkt zu haben, wie von Disruptor-, oder Phaserfeuer verursacht.
Während des Aufstieges waren hin und wieder gedämpfte Detonationen zu hören gewesen. Nun herrschte seit geraumer Zeit wieder Stille. Der Weg wurde plötzlich sehr steil. Sulu stöhnte, als die Muskeln in seinen Oberschenkeln aufgrund der Anstrengung brannten. Aber er beschwerte sich nicht und atmete weiter, setzte entschlossen einen Fuß vor den anderen. Kang litt insgeheim genauso, vielleicht sogar noch mehr, doch auch er wollte sich keine Blöße vor seinem Begleiter geben. Also hielten sie nicht einmal an den steilen Stellen inne, um kurz auszuruhen. Schnaufend, aber entschlossen kletterten sie weiter.

 

Die Abendsonne stand nur noch halb am Horizont, als Sulu sich die letzten Meter nach oben zog. Fast einen Tag lang waren sie jetzt unterwegs. Neben ihm kletterte Kang, die schwere Kleidung schweiß getränkt. Es ist nicht mehr weit, dachte Sulu erschöpft. Nicht mehr weit. Irgendwann, nach zehn, oder hundert Millionen Minuten, griffen seine tastenden Hände ins Leere und weitere hundert Millionen Jahre danach, zog er seinen tonnenschweren Körper über den Rand des Plateau...
... und starrte auf ein Paar Sternenflottenstiefel. Sulu blinzelte. Sternenflottenstiefel? Verblüfft hob er den Kopf und-
„Mein Gott!“
Kang sah ihn im selben Augenblick. „Bei Kahless!“
Vor ihnen ragte niemand geringeres, als Jim Kirk auf. Wie er dastand jung, vital und kräftig, in seiner grünen Captains-Uniform und auf sie herabblickte, wirkte er wie ein unbeugsamer Fels der Sturheit in der schäumenden Brandung der Zeit. Sulu rappelte sich auf, ebenso Kang. Kirk folgte mit ausdrucksloser Mine ihren Bewegungen.
„Captain...?“
„Kirk...?“
Sulu lachte, seine Hand tastete im Sine eines freundschaftlichen Klapps nach Kirks Oberarm. Und fuhr einfach durch ihn hindurch. Kirk war substanzlos. Sulu runzelte überrascht die Stirn.
„Eine Illusion.“, hörte er Kang neben sich sagen. „Ein Hologramm. Dieser... Trick ist vermutlich die Quelle der Gerüchte.“ Er klang enttäuscht und niedergeschlagen. „Nur ein Hirngespinst. Nichts weiter. Genau, wie meine Suche nach einer ehrbaren Herausforderung.“
Sulus Tricorder piepte. „Ich messe etwas. Einen Energieanstieg. Ganz in der...- Kang! In Deckung!
Die Entladung gleißte so grell, dass Kang um sein Augenlicht fürchtete. Damit einher ging ein so lautes Donnern, dass ihm die Zähne klapperten. Der obere Teil der Anhöhe, auf der sie gerade noch gestanden hatten, brach auseinander, und Bruchstücke – alle nicht größer als ein Sandkorn – rieselten ins Tal hinab. Die Druckwelle schleuderte Sulu und Kang nach hinten, sie schlugen hart auf und rutschten, alle viere von sich gestreckt gegen einen Fels. In Kangs Ohren sangen die Engel. Hätte Sulu ihn nicht zur Seite gerissen, er wäre zerfetzt worden. Er hustete und stemmte sich hoch. „Was zum...“
„Das Hologramm war eine Falle.“, keuchte Sulu neben ihm und zog seine Waffe. Kang half ihm auf. „Wir müssen sie ausgelöst haben, als wir ihm zu nahe kamen.“
„Sind wir hergelockt worden? Verraten worden?“
Sulu spitzte die Ohren. Er hörte das vertraute Fauchen aus weiter Ferne. „Ich schlage vor, wir diskutieren das erst, nachdem wir Deckung gesucht haben.“
Ohne ein weiteres Wort sprang er hinter eine einigermaßen stabil aussehende Felsformation. Kang folgte. Und sofort schlug das Waffenfeuer ein, verbrannte Erde und Steine. Etliche Salven, jagten nieder, in dichter Reihenfolge. Sulu musste schreien, um den Lärm zu übertönen. „Meinem Tricorder zufolge, war das Hologramm mit einem automatischen Waffennetz verbunden. Jetzt hat es uns erfasst.“
„Ursprung?“
„Die Hauptbatterie sitzt etwa drei Kilometer östlich von uns auf... ahm... auf diesem Berg dort drüben.“
Kang zog nun seinen eigenen Disruptor. „Worauf warten wir dann noch?“
Sie sprangen hinter ihrer Deckung hervor, zielten grob und schossen beide gleichzeitig. Die Energiestrahlen zischten durch die Luft und schlugen krachend in den Berghang. Und zerstörten ihn. Der gesamte Berg explodierte, sie mussten eine empfindliche Stelle des Waffensystems getroffen haben. Die Attacke hörte auf und in der Umgebung ging augenblicklich ein Regen aus Trümmern nieder.
„Netter Schuss.“, lobte Kang.
„Danke. Wir sollten besser die Position wechseln, um....“ Sulus Worte verebbten in seiner Kehle, als er den Blick zum felsigen Plateau wandte, und überall Captain Kirk sah. Einen jungen Kirk, einen alten Kirk. Einen in der goldenen Uniform der ersten fünf Jahres Mission, einen in der roten. Einen wütenden, einen lächelnden und einen neutralen. Die Erscheinungen waren überall, flackerten ein paar Sekunden auf und erloschen dann. Sulu hatte die Augen weit aufgerissen. „Was... was geht hier nur vor?“ Das war das letzte, was ihn bewegte, ehe er von einem Phaserstrahl niedergestreckt wurde und zusammenbrach.

 

„Sulu!“ Der Schuss kam wie aus dem Nichts. Es gab nicht das Geringste, was Kang hätte tun können. Er sah noch das Blitzen und dann ging Sulu schon zu Boden, mit schmerzerfüllter Mine.
„Sulu!“, brüllte Kang erneut, sprang über Felsen und Steine, kämpfte sich zu Sulu vor und kniete sich neben ihn, als er den Menschen endlich erreicht hatte. Er rührte sich nicht mehr. Irgendwie sah er tot aus. Kang beugte sich herab und wollte Sulus Puls überprüfen. So weit kam er gar nicht. Kang wusste nur eins: Plötzlich knallte etwas von hinten gegen seinen Schädel und hinter seinen Augen explodierten Sterne. Dann lag er mit dem Gesicht auf der Erde und wusste nicht so genau, wie er dahingekommen war.
„Hsssssssst... Kliiiingone...!“
Kang rollte auf den Rücken, blinzelte und stemmte sich keuchend auf die Ellenbogen. Diesmal versagte ihm sein Körper nicht den Dienst. Das wäre vermutlich auch sein Tod gewesen, denn über ihm, mit einem Speer in der Klaue, der auf Kangs Brust zielte, stand ein dinosaurierartiges Wesen mit scharfen Zähnen, riesigen Schultern und grüner, schuppiger Haut. Es war der furchterregendste Gorn, den Kang je gesehen hatte. Es handelte sich um einen wahren Brocken und er war offenbar nicht sehr erfreut darüber, dass Kang atmete. Was er  zu korrigieren gedachte.
„Ssssssstirb...!“
Kang fletschte die Zähne. „Für mich ist heute noch lange kein guter Tag zu sterben!“ Er zog die Knie an und rammte dem Gorn seine Stiefel in den Magen und mit äußerster Befriedigung vernahm Kang das entsetzte Kreischen seines Opponenten, als er durch die Wucht des Trittes nach hinten taumelte. Sofort war Kang auf den Beinen und ein gnadenloser, brutaler Schlagabtausch begann, ein Kampf des Könnens und des Willens. Erregt von der Schlacht, fühlte sich Kang so lebendig, wie schon lange nicht mehr und er hatte wahrlich einen würdigen Gegner. Der Gorn steckte Schläge ein und teilte Hiebe aus. Blut spritze, Organe wurden beschädigt und Knochen brachen – auf beiden Seiten. Nach Minuten, oder gar Stunden, wurden die Bewegungen beider Kontrahenten langsamer, aber nicht weniger wild. Sie kämpften verbissen weiter, immer weiter, kämpften auf einem Vorsprung, am Rande des Abgrundes. Unter ihnen klaffte das Tal, ein tiefer Sturz für den, der den falschen Schritt machen würde. Die Sonne ging inzwischen unter und der Himmel färbte sich erst gelb, dann orange. Von weitem konnte man nur die um sich schlagenden, tretenden und springenden Silhouetten der beiden kämpfenden Kontrahenten sehen. Bis schließlich...
... bis schließlich einer der Schatten in die Knie ging.
Kang war am Ende. Sein Gesicht blutbesudelt, sein Körper schmerzend schreiend, dämmerte es ihm das erste Mal in seinem Leben... dass er verlieren würde. Er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie knickten einfach unter ihm ein, wie Streichhölzer. Der Gorn schnaufte, wankte einen Schritt zurück, dann wieder auf ihn zu.
Wir sind ein Häufchen Elend, wir beide, dachte Kang. Beschmiert mit einer grotesken Mischung aus unserem eigenen Blut und Schweiß. An diesem Tag wurde der Ehre genüge getan.
Aber ein klingonisches Duell konnte nicht enden, wenn beide Kontrahenten weiterhin atmeten. Es musste immer einen Verlierer geben und dieses mal... akzeptierte Kang sein Scheitern. Mit müden, aber zufriedenen Augen, sah er hinauf, in die Augen des Gorn. „Na los! Worauf wartest du noch? Beende es endlich!“
Der Gorn ballte die mächtige Faust. Seine Arme bestanden nur aus Muskeln. Er holte aus, zielte und brüllte wütend auf, als sich ein Phaserstrahl in seinen Rücken bohrte. Es stank augenblicklich nach verbranntem Chitin. Der Gorn zitterte am ganzen Körper, bäumte sich ein letztes Mal auf und brach dann zusammen. Ein rasselnder Atemzug war das letzte Lebenszeichen, das er von sich gab. Kang blickte erstaunt von dem Gorn in die Richtung, wo der Strahl hergekommen war. Ein paar Meter entfernt, kletterte ein arg mitgenommen aussehender Sulu gerade über einige Felsen und senkte die Waffe.
„Das ist keiner meiner typischen Tage! Kang, sind Sie okay?“
Kang rappelte sich verärgert auf. „Natürlich! So sollte das Leben sein.“
„Ihr Klingonen habt eine komische Vorstellung von einem angenehmen Leben. Mein Gott.“ Er starrte den Gorn an. „Das ist... das ist S’alath.“
„Salat?“, wiederholte Kang verständnislos. „Bloß weil er Grün ist?“
„Nicht Salat. S’alath. Das ist sein Name.“
„Sie kennen diesen Gorn?“
„Es ist schon Jahre her... Jahrzehnte... als ich noch Steuermann der Enterprise war, da wurden Captain Kirk und S’alath hier von einer mächtigen Rasse, genannt >Die Metronen< entführt. Sie sollten bis zum Tode kämpfen, aber der Captain gewann und verschonte S’alaths Leben.“
Kang rollte die Augen. „Typisch.“
Sulu deutete auf die Kleidung des Gorn. An seinem Gürtel hing eine kleine Nachrichtenbox. Er ging in die Hocke, zog seinen Tricorder hervor und Verband die Schnittstellen der Geräte. Während er las, was auf dem Display erschien, wurde seine Stirn immer faltiger.
„Was steht da, Sulu? Sagen Sie schon.“
„Hier steht, S’alath sei krank. Ein neurales Syndrom, das Nervenbahnen zerstört und sich bei einigen Gorn im hohen Alter einstellt. Eine Art Alzheimer, schätze ich.“ Er las weiter den übersetzten Text ab. „S’alath ist bei seinem Volk ein großer und berühmter Krieger. Sie wollten ihm in den letzten Wochen, die ihm noch verbleiben, eine traditionelle Kriegerehrung gewähren: Alleine, mit erhobener Waffe und dem Schicksal, seinem Schöpfer entgegen zu treten, denn... denn... Natürlich!“ Er klappte den Tricorder zu und richtete sich auf. „Natürlich.“
Kang schien ihm nicht ganz folgen zu können. „Natürlich was?“
„Durch die Krankheit verlieren Gorn alles, bis auf ihre Instinkte. Die Instinkte eines Kriegers.“
„Mit seiner größten und ruhmreichsten Schlacht im Fokus.“, begriff Kang.
Sulu nickte. „Seine Leute haben die automatischen Waffen- und Holographiesysteme auf dieser Welt des... des gornischen Lebensabends... offenbar mit Bildern von Captain Kirk gefüllt, um S’alaths Kampflust zu befriedigen.“
„Wir sind Dummköpfe, auf dem Planeten eines Dummkopfes. Alte Männer, die Geister der Vergangenheit jagen. Wir sind zu bedauern...“ Er untersuchte den Gorn und stellte verblüfft fest: „Sulu... er ist tot.“
Sulu riss die Augen auf. „Was?! Mein Phaser stand nur auf Betäubung!“
„Er war alt, sein Körper schwach. Die Verausgabung des Kampfes, der Schock des Phasertreffers...“ Kang schüttelte den Kopf. „Wir sind alte Männer, mein Freund. Und nicht mehr so belastbar, wie wir es einst waren. Lassen Sie uns ihm die letzte Ehre erweisen.“

 

Sie begruben S’alath auf der Spitze des Plateaus und brauchten dafür bis tief in die Nacht. Kang heulte eine Warnung an die Götter, dass nun ein ehrenwerter Krieger ins Sto-vo-kor eintreten würde und dann sprach für eine Weile niemand mehr. Ein graublauer Mond stand hoch am reich behangenem Nachthimmel und legte einen hellen Schein über den Dschungel. Schließlich trat Sulu neben Kang, der die Hände hinter dem Rücken verschränkt hatte und nachdenklich zu den Sternen hinaufsah.
„Und was... was jetzt?“, fragte der Klingone.
Sulu folgte seinem Blick hinauf ins All. „Ich habe ein Schiff zu kommandieren.“
„Und ich eine Kolonie zu leiten.“ Er überlegte einen Moment. „War es falsch, Sulu? Nach Dingen zu jagen, die einst waren... und lange nicht mehr sind?“
„Vielleicht. Vielleicht... sind nur die Triumphe, die noch kommen werden, es wert, über sie nachzudenken.“
Jetzt lächelte Kang. „Gute Worte, mein Freund. Ich werde an sie denken, wenn wir uns das nächste Mal begegnen. Qapla, Captain.“
Er reckte Sulu die Hand entgegen. Der Mensch ergriff sie. „Qapla, Gouverneur.“
Und als sie wenig später von der Excelsior und dem Bird of Prey abgeholt wurden, und sich friedlich trennten, auf das sie sich in ruhmreichen Schlachten wieder begegnen würden...
... schien es für einen Augenblick so, als würde von irgendwoher der große Jim Kirk auf sie herabsehen.
Und lächeln.

 

© 2008 by Rene Barz



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